Facebook, Twitter und XING sind im Marketing-Mix vieler Unternehmen schon seit einigen Jahren angekommen und haben sich als Marketingkanäle zunehmend bewährt. Glaubt man einigen Stimmen, sollten auch Snapchat und Instagram heutzutage zum festen Markenauftritt eines Unternehmens gehören. Wir haben das Mal für euch unter die Lupe genommen und Sinn und Unsinn beider Kanäle zusammengefasst.

Snapchat

Snapchat ist schon seit einiger Zeit auf der Überholspur und hat auch in Deutschland einen echten Hype-Status erreicht. Die App wird bereits als ernst zunehmender Konkurrent für Facebook angesehen. In Deutschland haben wahrscheinlich schon mehr als drei Millionen User die Geister-App auf ihrem Smartphone installiert- Zahlen von offizieller Seite gibt es dazu leider noch nicht. Auffallend ist, dass die Nutzer sehr jung sind: laut einer Statistik von comScore Mobile Metrix sind fast 70% der User zwischen 18-24 Jahre alt.  Wie viele Teenies Snapchat nutzen, wurde leider noch nicht erfasst, aber nach unseren Erfahrungen wird auch da die Nutzerzahl hoch sein.

Für alle, die sich bisher noch nicht mit der App befasst haben, nochmal kurz die Zusammenfassung: bei Snapchat können Videos oder Bilder gepostet bzw. in privaten Chats verschickt werden. Das Besondere daran ist, dass diese dann höchstens 10 Sekunden angesehen werden können. Teilt man seinen Snap als Story, ist er sogar 24 Stunden sichtbar. Snapchat ist vor allem eins: jung, bunt und kreativ. Wer hier mitziehen will, muss seine Inhalte amüsant verpacken können - zur Not mit Hilfe von Emojis und Fingermalerei.

SINN VON SNAPCHAT:

1. Snaps sind grundsätzlich nicht öffentlich, sondern können nur von Freunden gesehen werden. Das kann zum Vor-und Nachteil für Unternehmen werden. Auf jeden Fall muss der Empfänger dem Unternehmen aktiv folgen, um dessen Inhalte zu sehen und lässt sich i.d.R. aktiver auf Snaps ein.

 2. Mit der App lassen sich gute Geschichten erzählen. Das gilt auch für Unternehmen, bei denen Begriffe wie „Visual Content“ sowieso schon weit oben auf der To-Do-List stehen. Mit Snapchat Stories können Unternehmen ihre Zielgruppe auf emotionaler Ebene einfangen. Emojis, Filter und Effekte mit dem Malstift lassen Werbebotschaften dabei natürlicher und authentischer wirken.

3. Snapchat lässt viel Spielraum für. Real-Time-Berichterstattungen sind dabei gern gesehener Content. Die App lässt außerdem Freiraum für Experimente. Das Publikum ist weniger kritisch und das Unternehmen muss kaum fiese Kommentare bei Fehltritten befürchten, da die Snaps ja sowieso zeitnah verschwinden.

 
Beispiel Snapchat Ansicht Memorys

Beispiel Snapchat Ansicht Memorys

4. Spontanität und Experimentierfreude ist nicht jedermanns Sache. Zum Glück gibt es seit August 2016 die Möglichkeit mit den Snapchat „Memories“ vorproduzierten und professionell aufbereiteten Content hochzuladen.

5. Unternehmen haben bei Snapchat mittlerweile einige Möglichkeiten, um aufzufallen. So ermöglicht Snapchat eine professionelle Kooperation in der Funktion „Discover“, welche die Nutzer mit hochwertigen und regelmäßigen Story Updates der Unternehmen versorgt. Außerdem können relativ günstig firmeneigene Geofilter für einen gewissen Umkreis erstellt werden.

6. Die Inhalte der App geistern nicht wie bei Facebook oder Twitter im Neuigkeiten-Stream umher, bis sie sich darin verlieren, sondern gelangen direkt per Notification zum Empfänger- und nehmen dabei sogar noch den gesamten Smartphone-Bildschirm im Hochformat ein.

 
Beispiel Snapchat Geofilter "Leipzig"

Beispiel Snapchat Geofilter "Leipzig"

Unsinn von Snapchat:

1. Die Zielgruppe der App ist bisher noch sehr jung. Zwar steigt die Zahl der Nutzer ab 25 Jahren, doch für viele Unternehmen befindet sich die richtige Zielgruppe nur auf anderen Kanälen. 

2. Snapchat bietet keine Möglichkeit klassische Profile mit Biografie-Angaben anzulegen.

3. Die Anzahl der Follower ist für sich und andere nicht einsehbar. Bisher wird nur angezeigt, welche Personen das eigene Profil zuletzt geaddet haben.

4. Ein weiteres Manko ist, dass man Inhalte nicht einfach teilen oder liken kann. Somit ist für Unternehmen schwer abzuschätzen, ob die Inhalte gut ankommen. 

5. Die App bietet darüber hinaus keine ausreichenden Tools zum Monitoren und zur Auswertung an. Bisher sind nur Screenshots und Views messbar. Snapchat wird somit vermutlich nie zu direkten Zugriffen und Konversions auf der eigenen Website führen, sondern dient nur zum Markenaufbau und zum Verbreiten von Werbebotschaften. 

UPDATE (Stand Juli 2017)

Auch wenn der Hype um Snapchat ein wenig abgeebbt ist und die App in der letzten Zeit einiges einstecken musste,  bleibt sie vorerst ein wichtiger Kanal - vor allem wenn man eine junge Zielgruppe ansprechen will. Snap hat Unternehmen und Werbetreibenden einige Anreize geliefert, um die App kommerziell zu nutzen. So gibt es seit Juni einen kostenlosen Ads Manager, mit dem Werbetreibende endlich in Eigenregie und ohne Mindestausgabebudget Werbung in der App schalten können. Über den Ad Manager können Werbekunden Kampagnen kaufen, managen und optimieren sowie Reportings abrufen, in denen sie Impressions, Swipe-Ups und alle möglichen KPI einsehen können.

Snapchat erlaubt es außerdem seit einiger Zeit Links in die Snaps einzufügen. Die Follower müssen hier von unten nach oben swipen, um den Link innerhalb der Snapchat-App zu öffnen. Alle Accounts verfügen über die Möglichkeit der Linksetzung, was vor allem für Unternehmen ein gutes Mittel ist, um die eigenen Follower direkt zu einem Blogartikel oder einem angeworbenen Produkt zu führen.
 

Beispiel Snapchat Link in Snaps | Bild: Snapchat

Beispiel Snapchat Link in Snaps | Bild: Snapchat

Snapchat Fazit: 

Macht es also Sinn für Unternehmen auf Snapchat unterwegs zu sein? JEIN! Wenn ihr eine sehr junge Zielgruppe ansprechen wollt, ihr viel Kreativität und Zeit für spontane Posts habt, dann probiert es aus! Seid euch allerdings im Klaren darüber, dass ihr euren Erfolg oder Misserfolg auf Snapchat bisher nur über den Ads Manager messen könnt.

 

Instagram

Im Gegensatz zu Snapchat sind auf dem Bilder-Netzwerk Instagram schon seit geraumer Zeit einige Unternehmen etabliert. Und das hat einen guten Grund: laut offiziellen Angaben seitens Instagram waren im Januar 2016 neun Millionen Menschen in Deutschland auf dem Kanal aktiv. Die Zielgruppe ist auch hier sehr jung. Etwa 34% der Nutzer sind zwischen 20 und 29 Jahre alt, gleich danach folgen die Teenies. Ganze 29% der App-User sind zwischen 13 und 19 Jahre alt.  Die Interaktion der Nutzer mit den Inhalten ist dabei größer als auf Social Media Kanälen wie Facebook. Außerdem belegte Instagram 2016 noch vor Snapchat Platz fünf der beliebtesten Apps in Deutschland. 

Bei Instagram werden vor allem Bilder, Videos und Stories geteilt, die ähnlich wie bei Snapchat vorrangig aktuell, amüsant oder ästhetisch sein sollten. Die Bilder müssen dabei dennoch echt und greifbar bleiben. Auch bei Instagram können Inhalte als Direktnachricht an einzelne oder mehrere Personen verschickt werden.

 

Sinn von Instagram:

1. Wie bei Snapchat auch, müssen die User einem Unternehmen aktiv folgen, um dessen Inhalte zu sehen. Dadurch ist der Nutzer automatisch offener für die geposteten Beiträge und unterschwellige Werbebotschaften. Besonders gut für Firmen ist außerdem, dass es keinen Algorithmus gibt, der Posts ausblendet. Das heißt, wer mir folgt, sieht auch meine Inhalte.

2. Auch bei Instagram setzen Firmen auf Visual Storytelling. Mit meist professionell aufgearbeiteten Inhalten kann die Markenbekanntheit gestützt werden, Produkte vorgestellt oder ganze Kampagnen verbreitet werden. Spontane Bilder, einen Blick Hinter die Kulissen oder Schnappschüsse von Veranstaltungen, Ausflügen oder Produkten werden hierbei besonders gern als Mittel eingesetzt.

3. Das Bilder-Netzwerk bietet Unternehmen die Möglichkeit spezielle Unternehmensprofile anzulegen. Die Kontaktmöglichkeiten können so durch Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen verbessert werden. Das Profil verfügt dann zusätzlich über einen Kontakt-Button.

 
Beispiel Instagram-Post von Happy Socks mit Hashtags

Beispiel Instagram-Post von Happy Socks mit Hashtags

4. Unternehmensprofile haben seit letztem Jahr die Möglichkeit, bereits veröffentlichte Inhalte zu bewerben. Außerdem haben Unternehmen mittlerweile Zugriff auf Instagram-Statistiken und können sich beispielsweise Alter, Standort und Geschlecht ihrer Follower anzeigen lassen.

5. Bei Instagram ist es ein gängiges Mittel seine Posts mit Hashtags zu spicken, um die Reichweite zu erhöhen und besser gefunden zu werden. Unternehmen können auch eigene Hashtags etablieren, um so überblicken zu können, wer über die eigene Marke schreibt. Hier habt ihr eine ausführliche Liste zu den beliebtesten Hashtags. 

6. Wo wir gerade beim Suchen und Finden sind: auch bei der Google-Bildersuche gehören die Fotos, die bei Instagram veröffentlicht wurden, zu den ersten Treffern.

7. Die Inhalte können leicht auf anderen Kanälen geteilt werden und Nutzer können mit Likes und Kommentaren interagieren. Somit kann man direkt sehen, wie ein Beitrag performt. Allerdings muss man hierbei auch wieder negative Kommentare in Kauf nehmen.

Beispiel Instagram Unternehmsprofil mit Kontaktbutton

Beispiel Instagram Unternehmsprofil mit Kontaktbutton

 

Unsinn von Instagram

1. Instagram-Posts können nicht offiziell geplant werden. Tools wie Buffer können hierbei allerdings mittlerweile aushelfen.

2. Ein großer Nachteil ist, dass Links in den Bildbeschreibungen nicht angeklickt werden können. Möchte man einen Link zu einer Landingpage teilen, muss man diesen in seinem Profil unter „Website“ speichern, damit er klickbar wird. Deswegen liest man bei Instagram so oft „Link in Bio“.

UPDATE (Stand: Juli 2017)

Mit den Instagram Stories, in denen mittlerweile über den Facebook Ads Manager Werbeanzeigen zwischengespielt werden können, scheint Instagram Snapchat bereits überholt zu haben. Instagram kann für seine Story-Funktion, die eigentlich von Snapchat erfunden wurde, bereits 250 Millionen Nutzer verzeichnen. Snapchat hatte Ende März gerade mal 166 Millionen Mitglieder gemeldet. 
Die Instagram Stories bieten Unternehmen außerdem eine neue wichtige Funktion: verifizierte Mitglieder können seit einer Weile Links in die Stories einfügen, und so auf Produktseiten, Blogbeiträge oder Webseiten weiterleiten. Vor allem weil in normalen Instagram Posts noch immer keine Links eingebunden werden können, sind die Links in den Stories ein gewaltiges Plus für Unternehmen, die die App nutzen. Der platzierte Link wird über einen „Mehr anzeigen“- Button direkt in der Story angezeigt. Durch Anklicken oder nach oben wischen, öffnet sich der Link innerhalb der Instagram App. 

Und die Stories könnten mit einem angekündigten Feature für Privatpersonen und Unternehmen noch interessanter werden: Instagram wird es ermöglichen Live Videos nach der Ausstrahlung für 24 Stunden als Story zu speichern, sodass noch mehr Menschen das Video sehen können.

Beispiel Instagram Link in Story

Beispiel Instagram Link in Story

Fazit: 

Viele Unternehmen machen es vor und zeigen, es macht auf jeden Fall Sinn auf Instagram unterwegs zu sein. Ein weiterer Kanal, wo ihr mit eurem Unternehmen glänzen und dabei eine recht große Zielgruppe abdecken könnt. Aber denkt dran: bleibt authentisch und greifbar, denn niemand hat mehr Lust sich eingestaubte Werbefilmchen anzusehen.

Wie sich die beiden Apps in Zukunft für Unternehmen weiterentwickeln werden, halten wir hier regelmäßig fest!


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