Marketing-Radar: Ep. 03/26 - Neue Markenstories, starke Kampagnen, kreative Ideen
Die Vitamin-D-Speicher füllen sich langsam wieder auf, die Wintermäntel verschwinden nach und nach in den dunklen Ecken unserer Schränke und überall zeigen sich die ersten Frühlingsboten. Die Sonne ist wieder da und mit ihr jede Menge frische Impulse, spannende Entwicklungen und neuer Gesprächsstoff aus der Marketingwelt.
Zwischen Übergangsjacken und ersten Frühlingsgefühlen war also auch im März wieder einiges los. Also schnappt euch einen Platz auf dem Balkon, haltet das Gesicht in die Sonne und begleitet uns durch unseren Rückblick auf die spannendsten Marketing-News des Monats. Los geht’s!
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Warm-up: News, Neuerungen und nächste Termine
Was war los im März?
ChatGPT zeigt jetzt Werbung: Was lange ausgeschlossen wurde, ist jetzt Realität: OpenAI spielt erste Anzeigen in ChatGPT aus. Betroffen sind zunächst vor allem Nutzer:innen der Free- und Go-Version in den USA. Das Spannende dabei: Die Ads wirken wohl deutlich präsenter als ursprünglich angekündigt und stoßen schon jetzt nicht nur auf Begeisterung. (Quelle: onlinemarketing.de)
Instagram arbeitet offenbar an Interessen-Tags im Profil: Sport, Popkultur, Gaming oder Bücher? Instagram testet laut Leaks ein neues Profil-Feature, mit dem Nutzer:innen ihre Interessen direkt unter der Bio sichtbar machen können. Noch ist unklar, ob und wann das Feature wirklich ausgerollt wird, aber die Richtung ist klar: mehr Kontext, mehr Einordnung, mehr Personalisierung (Quelle: onlinemarketing.de)
WhatsApp bringt Werbung in den Updates-Bereich: Auch WhatsApp verabschiedet sich langsam vom werbefreien Raum: Meta rollt weltweit Status-Ads und gesponserte Kanäle im Updates-Tab aus. Private Chats und Anrufe sollen zwar weiterhin verschlüsselt und werbefrei bleiben, trotzdem dürfte die Neuerung nicht bei allen auf Begeisterung stoßen. Für Unternehmen ist der Schritt dagegen ziemlich relevant: schließlich öffnet sich damit eine riesige neue Werbefläche in einer der meistgenutzten Apps überhaupt. (Quelle: t3n)
Claude gewinnt gerade spürbar an Rückenwind: Während OpenAI weiter wächst, sammelt aktuell vor allem Anthropic Sympathiepunkte: Claude profitiert von der klaren Abgrenzung gegenüber einem Pentagon-Deal und macht es Nutzer:innen mit neuen Wechsel-Features leichter, von ChatGPT oder Gemini umzuziehen. Das zeigt einmal mehr, dass im KI-Markt längst nicht nur Leistung zählt, sondern auch Haltung, Vertrauen und Markenwahrnehmung. Für Unternehmen wird damit immer relevanter, welche Plattform sie nutzen und wofür diese Plattformen öffentlich stehen. (Quelle: t3n)
Instagram testet klickbare Links in Captions: „Link in Bio“ bekommt vielleicht bald Konkurrenz: Instagram testet aktuell klickbare Links direkt in der Caption. Klingt erst mal nach einem großen Schritt für Creator und Marken: der Test ist bislang aber stark eingeschränkt und offenbar an kostenpflichtige Meta-Verified-Modelle geknüpft. (Quelle: onlinemarketing.de)
MarkOp-Tipp: Ihr habt die Februar-Ausgabe unseres Marketing-Radars verpasst? Dann schaut am besten noch einmal vorbei – hier standen Super Bowl Spots und Valentinstags-Kampagnen im Fokus.
Was steht an im April?
Lead Management Summit – 15. April, Vogel Convention Center Würzburg.
Das Live-Event für Marketing und Vertrieb im B2B bringt Vorträge, Best Cases und Networking rund um Lead Management, Customer Journey, Lead Nurturing und KI im Marketing.
Online-Marketing-Konferenz Münster (OMKMS) – 16. April, Preußenstadion Münster. Ein Tag rund um Online-Marketing mit Vorträgen, Best Cases und Networking zu Themen wie SEO, Social Media, Paid Ads, Content und KI.
MEDIENTAGE MÜNCHEN – AI & MEDIA Special – 21.–22. April, HFF München. Beim KI-Special der MEDIENTAGE MÜNCHEN geht es in Keynotes, Panels und Masterclasses um aktuelle KI-Anwendungen, rechtliche Fragen und neue Perspektiven für Medien und Content-Produktion.
Radio Advertising Summit – 23. April, DIE HALLE TOR 2 Köln. Beim Summit dreht sich alles um Audio, Markenkommunikation und Werbung entlang der Customer Journey – mit Vorträgen, Talks und Networking für die Werbe- und Medienbranche.
Multichannel Day – 23. April, RheinEnergieSTADION Köln. Die E-Commerce-Messe bringt Händler:innen, Brands und Dienstleister:innen zusammen – mit Vorträgen, Workshops, Expo und Networking rund um Onlinehandel, Marktplätze, Social Commerce und KI.
Rocketeer Festival – 23. April, Kongress am Park Augsburg. Beim Festival dreht sich alles um digitale Innovationen, Zukunftstrends und neue Ideen aus Wirtschaft, Medien und Gesellschaft – mit Vorträgen, Panels und Networking.
SEAcamp – 23. April, Dorint Hotel Jena. Das PPC-Barcamp bringt die Performance-Marketing-Szene zusammen – mit Sessions, Austausch und Insights rund um Google Ads, Tracking, Web-Analyse und SEA.
Future of Marketing Kongress – 28.–29. April, Falkensteiner Balance Resort Stegersbach. Zwei Tage voller Marketing-Insights, Workshops und Networking rund um KI, Customer Experience, Content, Branding und digitale Strategien.
Diese (inoffiziellen) Feiertage bringen euch (und euren Redaktionsplan) durch den April:
01.04. Aprilscherz-Tag: Perfekter Anlass für humorvolle Inhalte mit Augenzwinkern: zum Beispiel ein harmloser Branchenwitz, ein „Fake-Produkt“ oder ein Post, der mit Erwartungen spielt und erst auf den zweiten Blick auflöst.
05.04. Ostersonntag: Passt ideal für frühlingshafte, leichte Content-Ideen: beispielsweise Ostergrüße, kleine Gewinnspiele, kreative Suchspiele oder saisonale Themen, die zur Stimmung rund um die Feiertage passen.
07.04. Keine-Hausarbeit-Tag: Eine schöne Vorlage für Content, der Erleichterung verspricht – etwa Tipps, Tools oder Hacks, die den Alltag einfacher machen und zeigen, wie man sich Arbeit clever sparen kann.
13.04. Ehrentag der Pflanze: Ideal für alles rund um Wachstum, Nachhaltigkeit und Pflege. Ob als metaphorischer Aufhänger für Markenentwicklung oder ganz praktisch mit Einblicken, Tipps und grünem Frühlingscontent.
22.04. Tag der Erde: Perfekter Anlass für Inhalte mit Haltung: zum Beispiel Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Unternehmen, bewusstere Routinen im Alltag oder ehrliche Einblicke in das, was schon gut läuft und was noch besser werden soll.
27.04. Weltgrafikertag: Bietet sich an für Design-Content aller Art – etwa Vorher-Nachher-Posts, Einblicke in Gestaltungsprozesse, Branding-Tipps oder ein kleines Spotlight auf gute visuelle Kommunikation.
Wenn der Hype weiterzieht, bleibt die Lieblingsmarke
Auf Social Media fühlt es sich manchmal so an, als würde im Wochentakt das nächste Must-have durchs Netz gejagt werden. Neues Produkt, neuer Hype, neue Kaufempfehlung. Die Realität sieht in Deutschland aber offenbar etwas anders aus: Viele Verbraucher:innen bleiben lieber bei Marken, denen sie schon vertrauen, statt jedem viralen Trend direkt hinterherzulaufen. Laut einer von der Dmexco gemeinsam mit Civey durchgeführten Umfrage bleiben rund vier von zehn Menschen ihrer Lieblingsmarke treu, selbst wenn plötzlich ein gehyptes Konkurrenzprodukt auftaucht. 93 Prozent sagen sogar, dass sie keine Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie einen Trend nicht mitmachen. (Quelle: t3n)
Der Grund dafür ist nachvollziehbar: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten zählen für viele nicht TikTok-Hype und schnelle Aufmerksamkeit, sondern Verlässlichkeit, Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwei Drittel der Befragten bleiben einer Marke treu, wenn sie von deren Qualität überzeugt sind. Gleichzeitig gewinnt auch der stationäre Handel wieder an Relevanz: 65 Prozent vertrauen lokalen Geschäften, wenn es um Sicherheit und Qualität geht, und ein Drittel schätzt persönliche Beratung im Laden.
Spannend ist dabei vor allem, was das nicht bedeutet: Neue Marken haben es nicht automatisch schwer. Im Gegenteil - 37 Prozent der Befragten zeigen sich offen gegenüber neuen Marken, besonders in Kategorien wie Lebensmittel und Getränke. Entscheidend ist also nicht nur, wie laut eine Marke ist, sondern wie glaubwürdig sie ihre Qualität kommuniziert.
Auch beim Thema Influencer-Marketing zeichnet sich ein klares Bild ab. Während Social Commerce gerade bei jüngeren Zielgruppen weiterhin relevant bleibt, ist das Vertrauen in Influencer:innen erstaunlich gering. Laut t3n erreichen soziale Medien und Influencer:innen beim Thema Produktsicherheit und Qualität weniger als ein Prozent Zustimmung. Gleichzeitig zeigen Zahlen von Bitkom-Zahlen, dass zwar 29 Prozent der Menschen in Deutschland über soziale Netzwerke einkaufen, Influencer-Marketing aber nur von 21 Prozent als sympathisch wahrgenommen wird.
Unser Takeaway:
Reichweite allein reicht nicht. Wer gerade nur auf schnelle Trends, Creator-Hypes und kurzfristige Aufmerksamkeit setzt, baut noch keine starke Marke. Gerade in unruhigen Zeiten gewinnen Werte wie Vertrauen, Qualität, Transparenz und nachvollziehbare Vorteile wieder an Gewicht. Oder anders gesagt: Die Marken, die bleiben, sind nicht unbedingt die lautesten, sondern die, bei denen man das Gefühl hat, eine gute Entscheidung zu treffen.
Mit der Antwort kommt die Werbung
Dass Werbung irgendwann auch in KI-Tools landet, war absehbar. Dass sie in ChatGPT aber offenbar direkt in der ersten Antwort auftaucht, dürfte trotzdem einige überrascht haben. Genau das wurde jetzt in den USA beobachtet: Laut Search Engine Land erschienen bei angemeldeten Desktop-Nutzer:innen gesponserte Platzierungen bereits nach einem einzelnen Prompt - also nicht erst nach längeren Gesprächen, wie zuvor oft vermutet wurde. Die Anzeigen waren mit einem „Sponsored“-Label und Marken-Favicon gekennzeichnet.
Image Credit: Search Engine Land
Spannend ist daran vor allem das Signal, das dahintersteckt: OpenAI behandelt nicht nur lange Konversationen als potenzielle Werbefläche, sondern offenbar schon einzelne, konkrete Anfragen mit hoher Kauf- oder Rechercheintention. Und genau das macht ChatGPT aus Marketingsicht plötzlich noch relevanter. Denn damit verschiebt sich KI immer stärker von der hilfreichen Assistentin zur echten Entscheidungs- und Entdeckungsoberfläche.
Für Nutzer:innen ist das natürlich ein heikler Moment. Denn klassische Suchanzeigen kennen wir alle: in einer Chat-Oberfläche wirken sie aber noch einmal anders. Intimer, direkter, vielleicht auch ein bisschen schwerer auszublenden, weil sie mitten in einem Dialog auftauchen, der sich eigentlich nach Beratung anfühlen soll. Genau deshalb ist die Frage nicht nur, ob KI-Werbung kommt, sondern auch, wie sie gestaltet wird, ohne Vertrauen zu verspielen. Die frühe Platzierung in der ersten Antwort deutet jedenfalls darauf hin, dass OpenAI beim Thema Monetarisierung nicht gerade zaghaft testet.
Für Marketer:innen ist die Entwicklung trotzdem ziemlich eindeutig: Wer über Search, Performance und digitale Sichtbarkeit nachdenkt, sollte KI-Antworten nicht länger als Randthema behandeln. Wenn sich Werbeinventar direkt am Point of Inquiry etabliert, verändert das mittelfristig auch die Frage, wie Marken auffindbar werden, wie kommerzielle Relevanz erkannt wird und wie Budgets zwischen klassischer Suche, Social und AI Interfaces verteilt werden.
Unser Takeaway:
AI Search ist nicht mehr nur Zukunftsthema, sondern zunehmend Medienfläche. Für Marken heißt das: Jetzt ist der Moment, sich mit Sichtbarkeit in KI-Umgebungen zu beschäftigen - strategisch, nicht erst dann, wenn die ersten Budgets schon umverteilt sind. Denn sobald die Antwort zugleich Werbeplatz wird, ändern sich die Spielregeln für Aufmerksamkeit, Vertrauen und Conversion.
Ein Bissen, zwei Marken, viele Learnings: Warum CEO-Content auch schiefgehen kann
Manchmal braucht es keine große Kampagne, kein aufwendiges Storytelling und keinen millionenschweren Spot - manchmal reicht ein einziger Bissen. Genau das hat der kleine Fast-Food-Moment rund um McDonald’s und Burger King gezeigt. Ausgelöst wurde die Diskussion durch einen Clip, in dem ein McDonald’s-CEO einen neuen Burger vorstellt und dabei eher vorsichtig als begeistert wirkt. Kurz darauf folgte ein Burger-King-Video, das im Netz deutlich authentischer gelesen wurde. Zwei kurze Szenen, ein paar Sekunden Mimik und Körpersprache...und plötzlich diskutiert das Internet nicht nur über Burger, sondern über Glaubwürdigkeit, Markenführung und die Frage, wie CEOs heute eigentlich auftreten sollten.
Hier zum Vergleich einmal der (zaghafte) Biss des McDonalds CEOs:
Und Burgerkings Reaktion darauf:
Das Spannende daran: Der Fall lässt sich auf zwei Arten lesen. Und genau deshalb ist er so interessant. Auf der einen Seite geht es um internationale Markenführung. Lokale Teams arbeiten oft daran, ihre Marke nahbar und kulturell anschlussfähig zu erzählen, während ein einzelner globaler Moment alles wieder zusammenzieht. Heißt im Klartext: Du kannst dir lokal eine kluge, alltagsnahe Markenstory aufbauen, wenn dann aber ein zentral ausgespielter Clip weltweit anders wirkt, spricht am Ende doch wieder das Internet über deine Marke. Und das oft schneller und härter, als jeder Freigabeprozess mithalten kann.
Auf der anderen Seite ist das Ganze aber auch ein ziemlich gutes Beispiel für CEO-Content. Denn nicht jede Führungsperson wird automatisch zur glaubwürdigen Content-Figur, nur weil sie vor eine Kamera gesetzt wird. Gute CEO-Kommunikation beginnt nicht mit „Wir brauchen noch schnell ein Video“, sondern mit der Frage, wofür diese Person überhaupt steht, in welchem Setting sie glaubwürdig wirkt und welches Format ihre Persönlichkeit verstärkt, statt sie zu überdecken. Genau daran entscheidet sich oft, ob ein Clip nach Nähe aussieht oder nach Abstimmungsschleife Nummer zwölf.
Für Marken ist das eine wichtige Erinnerung. Denn CEO-Content ist gerade verlockend: Er verspricht Persönlichkeit, Sichtbarkeit und ein Gesicht zur Marke. Aber er funktioniert eben nur dann, wenn Persönlichkeit nicht behauptet, sondern spürbar wird. Das Publikum merkt sehr schnell, ob jemand gerade wirklich in seinem Element ist oder ob eine Person sichtbar ein Kommunikationsformat erfüllen soll, das gar nicht zu ihr passt. Und genau darin liegt das Problem: Authentizität lässt sich inszenieren, aber nicht beliebig erzwingen.
Was ihr daraus mitnehmen könnt:
CEO-Content funktioniert nur, wenn er zur Person passt. Nicht jede Führungskraft wirkt vor der Kamera automatisch nahbar oder glaubwürdig.
Authentizität schlägt Inszenierung. Menschen merken schnell, ob ein Auftritt echt wirkt oder eher nach Pflichtprogramm aussieht.
Markenwirkung entsteht oft in Sekunden. Körpersprache, Tonfall und Auftreten können die Wahrnehmung stärker prägen als die eigentliche Botschaft.
Globale Kommunikation braucht Feingefühl. Ein einzelner Clip kann die Arbeit lokaler Markenkommunikation schnell überlagern.
Personal Branding ist kein Selbstzweck. Sichtbarkeit bringt nur dann etwas, wenn sie zur Marke einzahlt und nicht beliebig wirkt.
Jugendschutz ist kein Social-Media-Verbot – und genau das ist der Punkt
Kaum ein Digitalthema wird gerade so emotional diskutiert wie Social Media und Jugendliche. Auf der einen Seite wächst der politische Druck auf Plattformen, schneller und härter zu regulieren. Auf der anderen Seite kommt aus der Fachwelt ein wichtiger Einwand: Wer über Jugendschutz spricht, sollte nicht so tun, als ließe sich das Problem mit einer simplen Altersgrenze allein lösen. Genau das macht auch die aktuelle Debatte in Deutschland deutlich. Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz im Netz wehrt sich gegen politischen Aktionismus und betont, dass es nicht nur um ein mögliches Mindestalter für soziale Netzwerke geht, sondern umfassender um Schutz, Befähigung und Teilhabe in der digitalen Welt. Teile der Empfehlungen sollen zwar noch vor der parlamentarischen Sommerpause vorgezogen werden, die Grundhaltung bleibt aber klar: Das Thema ist komplexer als ein schnelles Verbot. (Quelle: t3n)
Spannend ist dabei der Blick nach Australien: Während hier noch über Einschränkungen diskutiert wird, läuft dort die Regulierung bereits auf mehreren Ebenen. Australien hat nicht nur Altersregeln für Social-Media-Konten unter 16 eingeführt, sondern arbeitet parallel an einem Children’s Online Privacy Code. Der soll Regeln für Dienste festlegen, die wahrscheinlich von Kindern genutzt werden, und höhere Datenschutzstandards setzen – etwa beim Umgang mit personenbezogenen Daten, bei der Verständlichkeit von Datenschutzhinweisen und beim Schutz vor manipulativen oder übergriffigen Mechaniken. Die öffentliche Konsultation dazu lief 2025, in Kraft treten soll der Code im Dezember 2026.
Genau darin liegt der eigentliche spannende Punkt für Marketer:innen: Die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um „dürfen Jugendliche auf Plattform X oder Y?“, sondern um die viel grundsätzlichere Frage, wie digitale Umgebungen für junge Menschen überhaupt gestaltet sein sollten. Also: Wie wird Werbung ausgespielt? Welche Daten dürfen gesammelt werden? Wie leicht lassen sich manipulative Patterns erkennen? Und welche Verantwortung tragen Plattformen, wenn kommerzielle Mechaniken auf besonders junge Zielgruppen treffen? Wer Jugendschutz nur als Zugangssperre versteht, denkt das Thema zu klein.
Welche Folgen Sharenting haben kann, zeigt dieses Video der irischen Data Protection Comission:
Dazu kommt: Selbst harte Regeln sind in der Praxis nicht automatisch wirksam. Reuters berichtete im März, dass trotz Australiens neuer Altersgrenzen weiter ein nennenswerter Teil der 13- bis 15-Jährigen Plattformen wie TikTok und Snapchat nutzt. Das zeigt deutlich: Regulierung ist wichtig, aber Umsetzung, Produktdesign und echte Plattformverantwortung sind mindestens genauso entscheidend. Für Unternehmen heißt das auch: Die Frage ist nicht nur, ob Jugendmarketing erlaubt ist, sondern ob es in der konkreten Form verantwortungsvoll ausgestaltet ist.
Unser Takeaway:
Die Debatte um Social Media und Jugendliche wird gerade erwachsener. Es geht nicht mehr nur um Verbote, sondern um digitale Schutzräume, Datenschutz, Werbeethik und Plattformdesign. Für Marken ist das ein klares Signal: Junge Zielgruppen sind keine bloße Reichweitenchance. Wer sie adressiert, muss stärker denn je mitdenken, wie fair, transparent und verantwortungsvoll die eigene Kommunikation in diesen Umfeldern wirklich ist.
Was passiert, wenn eine Marke Kontrolle gegen Glaubwürdigkeit tauscht
Reddit ist für Marken nicht unbedingt das bequemste Pflaster. Zu direkt, zu ungefiltert, zu wenig kontrollierbar. Genau deshalb ist es so spannend, wenn eine Brand nicht versucht, diese Offenheit glattzubügeln, sondern sie zum eigentlichen Kampagnenkern macht. Dove hat genau das getan: Für die Kampagne „r/eal reviews“ griff die Marke die ersten 50 Reddit-Bewertungen zu ihrer Haarmaske auf und machte daraus sichtbare Werbung in mehreren Kanälen. Der Clou dabei: Nicht nur Lob war erlaubt, sondern ausdrücklich auch kritische Stimmen.
Das passt ziemlich gut zur Marke. Dove knüpft mit der Aktion an die langjährige „Real Beauty“-Plattform an und übersetzt das Markenversprechen diesmal nicht in klassische Hochglanzkommunikation, sondern in etwas, das im Netz oft noch wertvoller ist: ungefilterte Glaubwürdigkeit. Laut Dove war der Ausgangspunkt eine organisch entstandene Reddit-Diskussion von Menschen, die nach ehrlichen Einschätzungen für geschädigtes Haar suchten. Statt diese Gespräche nur zu beobachten, hat die Marke sie bewusst ins Rampenlicht geholt.
Spannend ist daran auch, wie strategisch Reddit hier gedacht wird. Dove beschreibt die Plattform nicht nur als Social Channel, sondern als Ort für Innovationsimpulse, Suchverhalten und langfristige Markenwirkung. Im Interview sagt die Marke, Reddit bleibe ein wichtiger Teil des Go-to-Market-Ansatzes. Außerdem verweist Dove darauf, dass Menschen dort gezielt nach Marken suchen, um Kaufentscheidungen vorzubereiten und dass Reddit-Inhalte zunehmend auch für große Sprachmodelle relevant werden. Heißt übersetzt: Was auf Reddit über eine Marke gesagt wird, wirkt längst nicht mehr nur auf Reddit.
Für Marketer:innen ist das ein ziemlich starkes Signal. Die interessantesten Plattformen sind oft nicht die, auf denen Marken am schönsten senden können, sondern die, auf denen echte Meinungen entstehen. Genau dort wird es zwar unbequemer, aber eben auch glaubwürdiger. Dove zeigt mit der Kampagne, dass man Kontrolle nicht immer maximieren muss, um Markenvertrauen zu gewinnen. Manchmal ist der mutigere Weg der bessere: Produktvertrauen so ernst zu nehmen, dass man auch ehrliches Feedback aushält.
Unser Takeaway:
Nicht jede Marke muss auf Reddit stattfinden. Aber jede Marke sollte verstehen, wie wertvoll ehrliche Community-Stimmen inzwischen für Wahrnehmung, Kaufentscheidung und Sichtbarkeit geworden sind. Wer dort glaubwürdig bestehen will, braucht nicht nur gute Creatives, sondern vor allem ein Produkt, das echte Meinungen aushält.
Die Kreativfrage im März
Zwischen viralen Trends, immer neuen Plattformen und jeder Menge Content-Druck stellt sich für Marketer:innen gerade mehr denn je die Frage, was von all dem eigentlich wirklich bei der eigenen Zielgruppe ankommt. Reicht es, sichtbar zu sein? Braucht es klare Haltung? Oder entsteht Glaubwürdigkeit am Ende doch vor allem dann, wenn Marken wirklich relevant sind: also dann, wenn Botschaft, Produkt und Auftreten stimmig zusammenpassen? Genau darüber könnt ihr diesen Monat einmal für eure eigene Marke nachdenken.
Hier kommt also unsere Kreativfrage des Monats:
Was macht Marken heute eigentlich glaubwürdig: Lautstärke, Haltung oder echte Relevanz?
Final Thoughts
Und damit geht unser Blick auf den März auch schon wieder zu Ende. Wir hoffen, es war der eine oder andere spannende Impuls für euch dabei sei es für eure Marke, euren Content oder einfach für den nächsten Marketing-Talk in der Kaffeeküche.
Jetzt wünschen wir euch erst einmal einen erfolgreichen April, viele gute Ideen und natürlich genug Sonne für die nächste Balkonpause. Bis zum nächsten Marketing-Radar!