Marketing-Radar: Ep. 02/26 - Neue Markenstories, starke Kampagnen, kreative Ideen
Nach gefühlt 63 Tagen Januar ist der Winter endlich auf dem Rückzug. Die Tage werden langsam heller, der Kalender füllt sich wieder und trotzdem fühlt sich der Februar oft wie ein Zwischenmonat an: zu kurz, um richtig anzukommen und zu grau, um schon nach Frühling zu wirken. Genau diese Mischung aus Restwinter und Aufbruch scheint aber etwas auszulösen. Überall tauchen neue Ideen auf, Marken testen frische Formate, und Kampagnen werden mutiger, weil gerade jetzt Aufmerksamkeit leichter hängen bleibt als im Dezember-Dauerrauschen.
Zwischen Valentinstag und Super Bowl haben wir uns umgesehen und eine Auswahl der spannendsten Kampagnen zusammengestellt. Manche setzen auf Humor als Gegenmittel gegen Wintermodus, andere auf Nähe, Haltung oder starke visuelle Hooks. Hier kommt eine Auswahl, die zeigt, was gerade funktioniert und warum.
So, dann mal raus aus dem Winterblues und ab in’s Marketing-Getümmel – wir gehen rein.
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Warm-up: News, Neuerungen und nächste Termine
Was war los im Februar?
OpenAI soll an einem „humans-only“ Social Network arbeiten: Ziel des Netzwerks soll es sein, Bots und KI-Profile komplett auszuschließen. Im Gespräch sind dafür harte Verifizierungsmodelle bis hin zu biometrischen Checks (z. B. Face ID/ähnliche Verfahren) – genau das macht das Projekt datenschutzseitig sofort kontrovers. Spannend fürs Marketing: Wenn Plattformen Proof-of-Personhood wirklich durchsetzen, werden Reichweite und „Authentizität“ neu verhandelt. (Quelle: onlinemarketing.de / forbes)
Firefox bekommt nach Kritik einen zentralen KI-Aus-Schalter: Ab Version 148 lassen sich alle KI-Funktionen dauerhaft deaktivieren, zusätzlich kommen separate Toggles für einzelne Features wie Übersetzungen, PDF-Alt-Texte, Tab-Gruppen, Link-Previews und Sidebar-Chatbots. (Quelle: heise.de)
Die Diskussion um Social-Media-Verbote geht weiter: Spanien plant ein Social-Media-Verbot nach australischem Vorbild: Unter-16-Jährige sollen keinen Zugriff mehr bekommen. (Quelle: onlinemarketing.de)
Threads liegt auf dem Smartphone offenbar vor X: Metas Ansatz, die App eng mit Instagram zu verzahnen (Onboarding, Reichweiten-Anschub, Creator-Ökosystem), scheint genau dort zu funktionieren, wo Nutzung heute entsteht: mobil. (Quelle: t3n)
TikTok muss mit hohen Strafen rechnen: Die EU-Kommission hält TikToks suchtfördernde Mechaniken (u. a. Infinite Scroll, Autoplay, Push-Trigger) im Rahmen des Digital Services Act für rechtswidrig und stellt Milliardenstrafen sowie Design-Auflagen in Aussicht – TikTok weist die Vorwürfe zurück. (Quelle: onlinemarketing.de)
Die Deutsche Bahn zieht bei „Boah, Bahn!“ den Stecker: Vier Monate nach Start stellt sie klar, dass es keine Fortsetzung der viel diskutierten Kampagne mit Anke Engelke geben wird – nach Medienberichten über ein hohes Budget und entsprechendem politischen Gegenwind. (Quelle: campaigngermany)
MarkOp-Tipp: Ihr habt die Januar-Ausgabe unseres Marketing-Radars verpasst? Dann schaut am besten noch einmal vorbei – hier standen Neujahrsvorsetze und Nostalgie-Marketing im Fokus.
Was steht an im März?
OMT Summit –05.–06. März, Maritim Hotel Düsseldorf. Zwei Tage Online-Marketing und E-Commerce mit vielen Vorträgen, Masterclasses und Expo.
MarTech Summit – 05.März, JW Marriott Hotel Berlin. Englischsprachiger Marketingtech-Summit für Entscheider:innen rund um MarTech-Strategie, Globalisierung/Lokalisierung, CRM, Automatisierung sowie Customer Experience.
AllSocial Marketing Conference – 10.–11.März, ICM München. Treffpunkt für Social-Media-Marketer:innen mit Updates zu Content-Strategien, Community-Trends und Social-Ads-Performance; im September auch in Berlin.
d3con – 17.–18.März, CinemaxX Hamburg-Dammtor. Konferenz rund um die Zukunft der digitalen Werbung mit Fokus auf Programmatic, Marketing Automation, KI, CTV und Retail Media; Networking mit Entscheider:innen aus Brands, Agenturen, Publisher:innen und Tech.
Diese (inoffiziellen) Feiertage bringen euch (und euren Redaktionsplan) durch den März:
07.03. Tag der gesunden Ernährung: Perfekter Anlass für einfache „So geht’s“-Formate, die Hürden rausnehmen – z. B. 3 schnelle Routinen, 5-Minuten-Rezepte oder ein Wochen-Setup, das wirklich realistisch ist.
08.03. Internationaler Frauentag: Nicht mit Rabatt flexen, sondern mit Substanz: Creator:innen spotlighten, Frauen im Team sichtbar machen, Zahlen/Commitments teilen oder echte Kund:innen-Storys in den Mittelpunkt stellen.
12.03. Welttag gegen Zensur im Internet: Guter Hook für das Thema Meinungsfreiheit vs. Plattformregeln – als kurze Einordnung, was moderiert wird, was nicht, und wie Marken mit Haltung umgehen können.
13.03. Freitag der 13.: Ideal für Humor und „Worst Practices“: die 13 häufigsten Fehler, 13 Mythen, 13 No-Gos; oder ein „Unglücks“-Format, das am Ende in einen Quick Fix dreht.
15.03. Tag der Rückengesundheit: Funktioniert stark mit Office-Realität: kurze Mobility-Breaks, Schreibtisch-Setups, „3 Dinge, die dein Rücken dir übel nimmt“.
20.03. Frühlingsanfang: Der klassische Reset-Moment: neue Routine, neues Setup, Frühjahrsputz im Feed/Shop – gut für Vorher-Nachher, Checklisten und „Was bleibt, was geht“-Formate.
28.03. Earth Hour: Einmal im Jahr ist Licht aus – für Marken ein Moment für Haltung ohne Pathos: kleine, messbare Schritte zeigen, Transparenz liefern, Fortschritt statt Perfektion.
29.03. Zeitumstellung: Der kollektive Mini-Jetlag ist Content-Gold: Timing-Tipps, „Was du heute nicht planen solltest“, oder ein Reminder, wie sich Öffnungszeiten, Versandcutoffs und Newsletter-Zeiten verschieben.
Super Bowl: Big Stage, big bets – diese Cases stechen raus
Dieses Jahr fühlte sich der Super Bowl auch deshalb anders an, weil die USA politisch so aufgeladen sind wie lange nicht. Viele Marken haben das gespürt und sichtbar „sicher“ gespielt: mehr Comedy, mehr Celebrity, weniger Reibung – aus Angst, dass jede Spitze sofort zur Lagerfrage wird.
Gleichzeitig war Politik als Hintergrundrauschen trotzdem präsent: Schon rund um die Halbzeitshow gab es lautstarke Debatten, die das Event wieder klar als Kultur- und Konfliktfläche markiert haben.
Zudem sind die Preise pro Slot weiter nach oben geklettert (je nach Paket wurden für 30 Sekunden rund 8–10 Mio. US-Dollar genannt). Und genau in diesem Umfeld werden „Extended Campaigns“ noch wichtiger: Ein einzelner Spot reicht nicht, wenn die Bewertung in Echtzeit auf dem Second Screen passiert. Reactions, Memes und Creator-Formate entscheiden in Echtzeit, welche Spots weitergetragen werden.
Und genau deshalb setzen viele Brands nicht mehr auf „einen“ 30-Sekunden-Moment, sondern auf Extended Campaigns mit Teasern vor dem Spiel und Social-Verlängerung danach. Welche Kampagnen dieses Jahr besonders hervorgestochen haben, zeigen wir euch in diesem Abschnitt. It’s time for kickoff!
Squarespace: “Unavailable”
Squarespace ist bei uns wirklich täglich im Einsatz und deshalb gehört der Super-Bowl-Spot jedes Jahr irgendwie dazu. Und sobald der Spot läuft, ist das bei uns spätestens in der Mittagspause Thema Nummer eins. Dieses Jahr inklusive kurzem „Ähm … gehören uns eigentlich alle wichtigen Domains wirklich?“
Was passiert? Emma Stone will endlich emmastone.com sichern – nur um festzustellen, dass ihre Domain bereits „unavailable“ ist. Die Eskalation folgt prompt: Frust, Kontrollverlust, kaputte Computer.
Warum funktioniert das? Das ist „digital identity“ als echtes Drama erzählt (statt als Feature-Liste): Film-noir in Schwarzweiß, inszeniert wie ein Kurzfilm von Yorgos Lanthimos und damit genau die Art Spot, die im Super-Bowl-Gewusel hängen bleibt.
Cleverer Twist: Squarespace baut das Ganze als Extended Campaign: Neben dem Game-Day-Spot gibt’s weitere Filme („The Negotiation“, „A Message from Emma Stone“) – plus die echte Website emmastone.com als Call-to-Action zum Weiterklicken.
Takeaway: Wer online auffindbar sein will, sollte nicht erst dann handeln, wenn der Name weg ist. Die Story macht den „Claim your domain“-Pain ziemlich unangenehm nachvollziehbar.
Was das MarkOp-Team sagt…
Anna (Webdesign): „Ich liebe den Spot, weil er Webdesign-Alltag in 30 Sekunden dramatisiert. Dieses ‚Domain ist weg‘-Gefühl hatten wir alle schon mal.“
Pepsi:"The Choice"
Eine Frage, die sich manchmal älter anfühlt als die Menschheit selbst: Coke oder Pepsi? Pepsi nimmt den Klassiker im Super Bowl direkt beim Wort und macht daraus einen Spot, der die „Cola Wars“ einmal mehr auf die ganz große Bühne holt.
Was passiert? Pepsi lässt einen „fremden“ Star antreten: Der ikonische Polar Bear (klarer Coke-Callout) macht einen Blind Taste Test und entscheidet sich am Ende für Pepsi Zero Sugar.
Warum funktioniert das? Weil es die Cola-Wars nicht nur erwähnt, sondern spielerisch inszeniert: simpel, frech, sofort verstanden und damit perfekt für den Super-Bowl-Moment.
Popkultur-Update: Der Spot zwinkert außerdem in Richtung des viralen „Kiss Cam“-Moments aus 2025 (Coldplay-Konzert) und nutzt genau diese Energie als zusätzlichen Share-Hebel.
Takeaway: Wenn euer Claim „besserer Geschmack“ ist, ist der stärkste Beweis manchmal kein Feature-Feuerwerk, sondern ein Test, der die Story der Konkurrenz direkt für euch arbeiten lässt.
Was das MarkOp-Team sagt…
Céline (Content): „Team Coke Zero, immer. Aber Pepsi hat hier verstanden, wie man eine Kategorie-Debatte neu anzündet. Ein guter Super-Bowl-Spot generiert nicht nur Reichweite, sondern regt zum Handeln an. Irgendwie will selbst ich jetzt nochmal Pepsi Zero testen.“
DoorDash: "Beef 101 with 50 Cent"
Mal ehrlich: Wer liebt nicht ein bisschen Beef (solange man ihn nicht selbst austragen muss)? DoorDash nutzt genau diesen Sweet Spot aus der Popkultur und lässt 50 Cent „Beef“ erklären wie ein Professor – inklusive Seitenhieben, die das Internet sofort versteht.
Was passiert? 50 Cent erklärt „Beef“ wie ein Dozent und meint damit natürlich nicht nur Fleisch, sondern vor allem Rivalitäten. Dazu zieht er nach und nach Items aus einer DoorDash-Tüte, die als kleine Seitenhiebe auf seine (und die des Internets) berühmten Fehden gelesen werden können.
Warum funktioniert das? Weil DoorDash den Super Bowl als Kommentarspalten-Event versteht: Die eigentliche Stimmung entsteht längst im Second Screen – Trash Talk, Reactions, Memes…und genau da dockt die Idee „Big Beef, no drama“ an.
Ton & Timing: Der Spot ist bewusst „petty“ und selbstironisch (50 Cent als King of Trolls) und trifft damit genau diese Echtzeit-Kultur, in der Spots sofort bewertet, zerlegt und weitergetragen werden.
Popkultur-/Beef-Referenzen: 50 Cent spielt seine „King of Trolls“-Rolle konsequent aus und streut Sidequests auf seine bekanntesten Fehden ein – u. a. gegen Sean „Diddy“ Combs: Er zieht demonstrativ einen Kamm („comb“) aus dem DoorDash-Beutel und kommentiert das trocken als „Zufall“ – ein Wortspiel, das in der Szene sofort als Combs-Anspielung sitzt.
Takeaway: Wenn alle über Beef reden, verkauft nicht „Werbung“, sondern eine Rolle im Gespräch. DoorDash positioniert sich als der Service, der den Stress liefert (im Kommentarbereich), aber den Rest des Game-Days easy macht.
Was das MarkOp-Team sagt…
Laura (Content): „Ich liebe Popkultur, ich liebe Beef und ich liebe gutes Storytelling. DoorDash packt das in ein simples Konzept, das sofort sitzt und trotzdem voller kleiner Details ist.“
Amazon Alexa+: "Alexaaaa+"
KI kann gerade alles und genau das ist manchmal ein bisschen… unheimlich. Amazons Alexa+-Spot nimmt diese Ängste und macht daraus eine Eifersuchts-/Paranoia-Story, in der Chris Hemsworth komplett am Rad dreht, sobald „Alexaaaa+“ ins Spiel kommt.
Was passiert? Chris Hemsworth hört, wie seine Frau Elsa Pataky mit Alexa+ spricht und steigert sich komplett rein: In seinem Kopf splant Alexa+ plötzlich sein Ende. Am Ende ist es natürlich nur die übermotivierte, hyper-kompetente Assistenz, die helfen will.
Warum funktioniert das? Der Spot trifft einen Nerv: AI kann faszinierend sein und gleichzeitig ein bisschen unheimlich. Amazon macht daraus keine Tech-Demo, sondern eine sehr menschliche Paranoia-Story.
Inszenierung/Pluspunkt: Neben dem Humor zeigt Amazon nebenbei sein eigenes Ökosystem (Prime Video, Ring, Smart Home). Alexa+ ist hier nicht Feature, sondern „Klebstoff“ fürs ganze Amazon-Universum.
Takeaway: Wenn ihr mit komplexen Tech-Themen arbeitet, müsst ihr nicht alles erklären. Ein starkes Alltags-Szenario, das die Gefühle trifft (Neugier + leichte Angst), verkauft oft besser als jede Liste mit Funktionen.
Was das MarkOp-Team sagt…
Alex (SEO & KI): „Ich mag, dass Amazon das KI-Thema nicht überhöht, sondern runterbricht: ‚Was passiert, wenn die Assistenz zu kompetent wird?‘ Das bleibt eher im Kopf als jedes Feature.“
Anthropic / Claude: Anti-Ads gegen ChatGPT
OpenAI hat im Januar 2026 offiziell angekündigt, Werbung in ChatGPT zu testen – zunächst in den USA und nur für Free- und Go-Nutzer:innen. Genau auf diese Ankündigung zielt Anthropics Kampagne ab: Sie positioniert Claude als „ad-free“-Gegenentwurf und macht das Thema „Werbung im Chat“ zum Kulturkampf-Moment – mit einer Kampagne, die aus mehreren kurzen Videos besteht. Hier binden wir nur eines davon ein, weil der Punkt auch in 30 Sekunden sitzt.
Anthropic hat damit offenbar einen Nerv getroffen: Laut t3n stiegen die Website-Besuche von Claude kurz nach dem Event um 6,5 %, die täglich aktiven Nutzer:innen legten sogar um 11 % zu (CNBC/BNP-Paribas-Analyse).
Auch bei den App-Downloads ging’s nach oben: In den drei Tagen nach dem Super Bowl wuchs Claude laut Appfigures um rund ein Drittel auf knapp 150.000 Downloads, und im US-iOS-App-Store sprang die App zeitweise von Platz 41 auf 7.
Was passiert? Anthropic nutzt den Super Bowl, um OpenAI direkt anzuprangern: Im Spot kippt ein vermeintlich hilfreiches KI-Gespräch plötzlich in „Ad-Mode“ und endet mit der Message, dass Werbung in KI-Unterhaltungen nichts zu suchen hat.
Warum funktioniert das? Weil es ein sehr reales Unbehagen aufgreift: Wenn die KI „dein Gespräch“ ist, fühlt sich Werbung darin viel invasiver an als im Feed. Genau damit wird aus Produktpositionierung sofort Popkultur-Diskurs.
Takeaway: Kategorie-Marketing auf die harte Tour: Anthropic verkauft weniger Features, sondern ein Prinzip (ad-free) und zwingt den Markt, Stellung zu beziehen.
Was das MarkOp-Team sagt…
Henry (SEO & KI): „Ein brandaktuelles Thema, humoristisch gekonnt umgesetzt: Werbung in KI-Chats fühlt sich invasiver an als in Feeds. Ob Anthropic sich langfristig an die Kernbotschaft ‚Ads are Coming to AI. But not to Claude.‘ halten wird, lässt sich allerdings bezweifeln.“
e.l.f. cosmetics: “MELISA”
Kleiner Kontext, bevor wir über „MELISA“ lachen: Die Halftime Show war dieses Jahr mehr als Entertainment. Bad Bunny hat sie bewusst als Statement für Zusammenhalt und gegen Hass genutzt („The only thing more powerful than hate is love“) und damit auch eine ziemlich aufgeheizte Debatte ausgelöst.
Genau in dieses Klima setzt e.l.f. seinen Spot – aber nicht als Witzelei über die Message, sondern als Popkultur-Andockpunkt: eine Telenovela als „love letter“ an Latinx-Kultur und den Halftime-Hype („the world’s biggest reggaeton show“), also Drama mit Augenzwinkern, nicht mit Zynismus.
Was passiert? e.l.f. macht aus dem Big-Game-Moment eine überdrehte Telenovela: Melissa McCarthy wacht im Krankenhaus auf und hat genau einen Tag, um Spanisch zu lernen, bevor „die größte Reggaeton-Show“ läuft (Wink Richtung Halftime-Show).
Warum funktioniert das? Weil e.l.f. nicht versucht, super seriös zu sein, sondern voll in Popkultur und Format reingeht: dramatische Dialoge, Overacting, klare Soap-Ästhetik und trotzdem ein sauberer Produktanker.
Was wird eigentlich verkauft? Ganz unaufgeregt (und genau deshalb smart): das Glow Reviver Lip Oil als wiederkehrender „Held“ im Chaos.
Extended Campaign: Das Ganze ist als Kampagne mit mehreren Videos/Assets angelegt – plus Duolingo-Partnering, um den „Spanisch lernen“-Gag in etwas Nutzbares zu verlängern.
Takeaway: Wenn alle um Aufmerksamkeit schreien, gewinnt manchmal die Marke, die ein klares Format committed und es bis zum Ende durchzieht – e.l.f. macht aus einem Produkt-Spot einen kleinen Serienmoment.
Was das MarkOp-Team sagt…
Sophia (Social Media): „Ich liebe, wie e.l.f. den Super Bowl als Startschuss nutzt und dann in Social weiterdenkt. Das Format ist so stark, dass du daraus locker eine ganze Serie machen kannst.“
Unser Fazit zu den diesjährigen Super-Bowl-Spots:
Was Marketer:innen aus dem diesjährigen Super Bowl mitnehmen können:
Aufmerksamkeit unter Extrembedingungen: Super Bowl ist der härteste Kreativ-Test – wenn die Botschaft hier in Sekunden sitzt, sitzt sie fast überall.
30 Sekunden reichen nicht mehr: Die stärksten Brands bauen Extended Campaigns (Teaser → Big-Game-Spot → Social/Creator-Content → Landingpage/Activation).
Second Screen entscheidet mit: Reactions, Memes und Creator-Clips sind Teil der Distribution – die „Bewertung“ passiert live, nicht erst im Nachhinein.
Ein klarer Hook schlägt Feature-Listen: Filmisches Storytelling, ein starker Twist oder ein popkultureller Shortcut bleibt eher hängen als Produktargumente.
Kultur & Kontext zählen: In einem politisch aufgeladenen Klima setzen viele auf „safe“ (Humor, Celebrities) – gleichzeitig funktionieren Spots, die den Zeitgeist klug aufgreifen, besonders gut.
Branding muss früher kommen: Wenn der Spot schon nach 10 Sekunden geskippt/vergessen ist, hilft das Logo am Ende nicht – Markenbezug gehört in den Einstieg.
Wer den Super Bowl versteht, versteht Reichweite: Hier sieht man in komprimierter Form, wie Paid, PR und Social zusammenarbeiten (und wie schnell sich ein Moment in Earned Media verwandelt).
Tinder x Sprite: „Döner-Date“ zum Valentinstag
IRL-Marketing (“In Real Life”) wird gerade wieder relevanter, weil es ein paar Probleme löst, mit denen viele Marken im Digitalen zunehmend kämpfen: Feeds sind voll, Aufmerksamkeit ist teuer und vieles wirkt austauschbar. Ein echter Ort, ein echter Moment und eine kleine Story, die man live erleben kann, stechen da sofort heraus. Dazu kommt: Ein Pop-up oder eine Aktion ist heute nicht mehr nur lokal. Durch Second Screen, Reactions und Creator-Content skaliert das Erlebnis automatisch nach draußen – aus dem „Da musstest du dabei sein“-Moment wird schnell Earned Reach.
Außerdem zahlt IRL stärker auf Vertrauen und Nähe ein: Wenn Menschen etwas anfassen, probieren, gemeinsam erleben oder eine Marke in einer realen Situation wahrnehmen, entsteht Bindung oft schneller als über die nächste perfekt optimierte Performance-Anzeige. Und gerade in Zeiten, in denen viele preissensibler sind, wirkt ein greifbarer Benefit im Alltag (gratis Produkt, kleines Upgrade, sinnvolle Hilfe) sympathischer als der x-te Rabattcode. Unterm Strich: Experiences sind wieder so wertvoll, weil sie Differenzierung, Content und Markenbeziehung in einem liefern.
Diese guten Gründe nahmen sich Tinder und Sprite zum Anlass und laden zum Valentinstag ein: in die Dönerbude. Am 14.02. ab 16 Uhr gibt’s im Rosenthaler Grill in Berlin-Mitte Döner „mit extra scharf“ for free (first come, first spiced) – als niedrigschwelliges Date-Setup mit Humor und echtem Alltagsbezug.
Die Aktion ist inzwischen durch aber hallt noch in den sozialen Netzwerken nach: Tinder und Sprite haben das „Candle-Light-Dönerdate“ nicht nur am 14.02. vor Ort gespielt, sondern vorher und währenddessen über Reels und Influencer-Posts als Social-Countdown aufgebaut. So wird aus einem IRL-Moment ein skalierbares Format: Ankündigung → Schlange/First-come-Moment → Recap/Reaction-Content. Hier binden wir ein paar der Videos ein, weil man daran gut sieht, wie die Idee im Feed weiterlebt – auch wenn der Döner längst verdaut ist.
Auch Creator, die am Aktionstag selbst vor Ort waren, haben fleißig Storys geteilt und die Aktion damit weit über die Tinder-Community hinaus in ihre eigenen Bubbles getragen. Genau dieser Mix aus „echtes Erlebnis“ und „sofortige Social-Verlängerung“ macht IRL-Aktivierungen gerade so wirksam: Wer nicht dabei war, sieht’s trotzdem im Feed. Unter anderem war @yungstachel am Start – ein Gesicht, das vor allem in der Gen-Z-Zielgruppe gut verankert ist und dem Format zusätzlich Reichweite und Glaubwürdigkeit gibt.
Einordnung (warum das smart ist):
Marketing wird „alltagsnäher“: Statt große Love-Inszenierung liefern die Brands einen Moment, der sich wie echtes Leben anfühlt und genau deshalb sympathisch wirkt.
Inflation schwingt mit, ohne darüber zu reden: „Gratis Döner“ ist nicht nur Gag, sondern auch ein spürbarer Value in Zeiten, in denen viele beim Ausgehen genauer rechnen.
Erlebnisse werden wichtiger als Assets: Das eigentliche „Creative“ ist hier das Erlebnis (Ort, Ritual, Story), und der Content entsteht automatisch drumherum – von Anstehen bis Reaction bis Date-Recap.
Herzschmerz, aber make it Impact: Spenden mit Ex-Namen
Die Hunderettung Europa spielt Valentinstag genau richtig: ein bisschen petty, sehr shareable und am Ende komplett ernst in ihrer Sache. Für 35 € finanziert ihr eine Kastration und dürft dem Streunerhund den Namen eures Ex geben. Aus Herzschmerz wird Hilfe, aus Drama wird Impact und die Kommentarspalte liefert direkt den Beweis, warum das funktioniert: Humor senkt die Hürde, die Spende fühlt sich plötzlich leicht an. (Und ja: „den Hund nach dem Ex benennen ist eine Beleidigung für den Hund“ ist vermutlich das offizielle Gütesiegel dieser Kampagne 😅).
Aus Marketingsicht ist das eine sehr saubere Sache, weil die Aktion drei Dinge gleichzeitig schafft: Attention, Emotion und Conversion. Der „Ex-Namen“-Twist ist ein sofort verständlicher Hook, der Kommentare und Shares quasi einprogrammiert und damit Reichweite ohne Media-Budget erzeugt. Gleichzeitig bleibt der Impact klar und konkret (35 € = eine Kastration), was die Spendenhürde senkt und die Aktion handlungsfähig macht. Und weil Humor hier nur die Eintrittskarte ist, aber die Botschaft ernst bleibt, wirkt das Ganze nicht zynisch, sondern sympathisch: Popkultur-Mechanik trifft Purpose – in einem Format, das auf Instagram perfekt funktioniert.
Die Kreativfrage im Februar
Zwischen Super-Bowl-Bühne und Döner-Date sieht man diesen Monat ziemlich klar: Viele Kampagnen funktionieren am besten, wenn sie nicht „wie Werbung“ wirken, sondern wie ein Moment, der sowieso passieren könnte. Je normaler der Kontext, desto leichter fühlt sich die Marke an und desto eher wird’s weitererzählt.
Hier kommt also unsere Kreativfrage des Monats:
Wie viel „Alltag“ darf Marketing haben? Welche normale Situation wäre euer perfekter Kampagnen-Schauplatz?
Final Thoughts
So, jetzt sind die grauen Tage aber wirklich gezählt. Der Februar hat uns nochmal gezeigt, was gerade zieht: große Bühne, ja...aber bitte mit klarer Idee, Social-Verlängerung und einem Moment, der sich „echt“ anfühlt. Ob Super-Bowl-Inszenierung oder Valentinstags-Aktion im Kiez: Am Ende gewinnen Kampagnen, die im Alltag andocken und Gesprächsstoff liefern.
Jetzt heißt’s: Ab in den März – mit frischen Ideen, Frühlingsluft und genug Anlässen, um aus kleinen Momenten gute Stories zu machen.