Marketing-Radar: Ep. 01/26 - Neue Markenstories, starke Kampagnen, kreative Ideen
Das alte Jahr ist Geschichte, 2026 lehnt noch leicht verschlafen im Türrahmen. Zwischen Neujahrsmüdigkeit, guten Vorsätzen mit begrenzter Halbwertszeit und der allgegenwärtigen Frage „Was machen wir dieses Jahr eigentlich alles?“ hat der Januar trotzdem gezeigt, dass Stillstand im Marketing keine Option ist. Kreative Marketer:innen liefern weiter Ideen, Kampagnen und neue Ansätze, während die großen Trends des Jahres darauf warten, endlich umgesetzt zu werden. Dieser Marketing-Radar ist kein Neustart-Ratgeber und kein Motivationsposter, sondern eher ein sanfter Stups fürs Marketing-Hirn. Für alle, die gerade planen, Termine blocken, Eventkalender füllen oder sich einen kurzen Moment nehmen wollen, um Luft zu holen und den Blick nach vorne zu richten.
Also: Kalender aufschlagen und langsam reinfinden. Hier kommen die spannendsten Entwicklungen aus Markenführung, Storytelling und digitaler Kreativität – frisch aus dem Januar, kommentiert und garantiert nicht langweilig.
Weitere Insights und aktuelle Infos aus Social-Media, SEO und KI findet ihr in unserem WhatsApp-Kanal.
Inhaltsverzeichnis
Warm-up: News, Neuerungen und nächste Termine
Was war los im Januar?
Instagram will echte Inhalte sichtbar machen: Als Reaktion auf KI-Müdigkeit testet Instagram Kennzeichnungen für authentische, nicht perfektionierte Inhalte. Spannend: Parallel stagniert die Nutzung erstmals seit Jahren. Das unterstreicht, wie wichtig Glaubwürdigkeit, Unperfektion und echte Stories für Reichweite werden. (Quelle: onlinemarketing.de / zeit.de)
Internet ohne KI? Mit „Slop Evader“ macht eine Browser-Extension das Internet vor November 2022 wieder sichtbar: keine KI-Texte, keine synthetischen Bilder, keine automatisierten Suchergebnisse. Entwickelt von Tega Brain ist das Tool weniger Nostalgie als Protest gegen „AI Slop“. Der Trend dahinter ist eindeutig: Viele Nutzer:innen bevorzugen weniger Inhalte, wenn sie dafür mehr Ruhe, Echtheit und menschliche Perspektiven bekommen. Für Marken ein klares Signal in Richtung Qualität statt Quantität.
Instagram kommt auf den Fernseher: Reels sollen künftig direkt auf dem TV konsumierbar sein. Damit verschiebt sich Instagram weiter Richtung Lean-back-Medium – mit neuen Chancen für Bewegtbild, Storytelling-Längen und Kampagnen, die eher an Streaming als an Scrollen denken. (Quelle: onlinemarketing.de)
Google erlaubt das Ändern peinlicher Mail-Adressen:
Gmail-Nutzer:innen können ihre Adresse künftig anpassen, ohne das gesamte Konto zu verlieren. Ein kleines Update mit großer Wirkung für Professionalität, Employer Branding und alle, die noch mit Jugend-Sünden aus der frühen Internetzeit leben müssen. Laut 9to5google ist eine schrittweise Einführung der Funktion geplant – auch für Deutschland.Kaufzurückhaltung in Sachsen und Müdigkeit bei Konsument:innen:
Wir haben es in unserer Ausgabe aus dem Dezember schon angerissen. Jetzt zeigen auch aktuelle Zahlen: Es wird weniger konsumiert. In den Kommentaren dominieren Sparzwang und Überdruss an Überkonsum. Für Marken ein klares Signal, Sinn, Nutzen und Haltung stärker zu kommunizieren statt reiner Kaufanreize. (Quelle: lvz)
MarkOp-Tipp: Ihr habt die Dezember-Ausgabe unseres Marketing-Radars verpasst? Dann schaut am besten noch einmal vorbei – hier standen Konsummüdigkeit, Branding und Trend-Kampagnen im Fokus.
Was steht an im Februar?
Ecommerce Berlin Expo – 17.–18. Februar, Messe BERLIN. Pflichttermin für alle, die im E-Commerce unterwegs sind. Gut geeignet, um Trends früh einzuordnen und Kontakte für das restliche Jahr zu sichern.
CCW Berlin – 23. –26. Februar, ECC Berlin. Die CCW zeigt, wie stark Customer Service, Kommunikation und Markenwahrnehmung zusammenhängen.
EuroShop – 22.–26. Februar, Messe Düsseldorf. Retail, POS und Markeninszenierung in groß. Die EuroShop ist relevant für alle, die sich mit Customer Experience, Store-Design, Technologie und der Frage beschäftigen, wie Marken im physischen Raum erlebbar bleiben.
MarkOp-Tipp: Das reicht euch noch nicht? Dann schaut euch unseren Beitrag zu den wichtigsten Marketing-Events 2026 an – hier findet ihr alles, was die Branche interessiert.
Noch nicht richtig im neuen Jahr angekommen? Vielleicht helfen diese witzigen Feiertage:
01. Februar: Ändere-dein-Passwort-Tag (Euer jährliche Reminder, dass „123456“ keine langfristige Strategie ist.)
06. Februar: Pizza-Tag (Inoffizieller Feiertag für alle, die ungern lange entscheiden. Pizza funktioniert immer. Egal ob im Team, im Freundeskreis oder im Marketing-Meeting.)
08. Februar: Super Bowl LX (Der Super Bowl bleibt die Leistungsschau für große Kampagnen, große Budgets und große Ideen.)
09. Februar: Räume-deinen-Computer-auf-Tag (Der perfekte Anlass, um alte Screenshots, Downloads und „final_final_v3“-Dateien loszuwerden.)
14. Februar: Valentinstag (Der Klassiker. Neben Love-Kitsch funktionieren auch Anti-Valentine, Self-Love oder „Wir lieben gute Kampagnen“-Narrative erstaunlich gut - je weniger Herzchen, desto besser.)
DER Neujahrsvorsatz 2026: Scrollen war gestern
Na, was sind eure Vorsätze für das neue Jahr? Weniger scrollen, mehr Fokus, bewusster mit Zeit und Aufmerksamkeit umgehen? Viele dieser Ziele drehen sich 2026 auffällig um Entschleunigung im digitalen Alltag. Genau hier knüpft die aktuelle Nostalgiewelle an: Analoge Formate, vertraute Ästhetiken und Dinge, die man wirklich besitzt, gewinnen wieder an Bedeutung.
Dass Nostalgie gerade so stark zurückkommt, ist kein Zufall, sondern eine ziemlich logische Antwort auf das digitale Dauerrauschen. Ein spannendes Reel (auf Englisch) bringt es gut auf den Punkt:
Physische Magazine werden wieder gesammelt, alte iPods wechseln für erstaunlich viel Geld auf Ebay den Besitzer bzw. die Besitzerin, Digitalkameras gewinnen bewusst gegen iPhone-Kameras. Dahinter steckt keine Technikfeindlichkeit, sondern eine neue Auseinandersetzung mit Besitz, Aufmerksamkeit und Kontrolle. Vor allem die Generation Z, die fast vollständig online aufgewachsen ist, merkt zunehmend: Eigentlich gehört ihr kaum etwas. Stattdessen gibt es tausende Abos, Log-ins und Plattformen und ein vergessenes Passwort oder eine verpasste Zahlung kann reichen, um Musik, Filme oder Erinnerungen zu verlieren.
Diese Entwicklung trifft auf einen generellen Stimmungswandel. Zu den häufigsten guten Vorsätzen für 2026 gehören Stress abbauen oder vermeiden, mehr Zeit mit Familie und Freund:innen verbringen und bewusster mit der eigenen Energie umgehen. Rund ein Viertel der Befragten nimmt sich vor, weniger Zeit am Smartphone und in sozialen Netzwerken zu verbringen. Besonders deutlich wird der Wunsch bei jüngeren Menschen: Während er bei Babyboomern noch eine Randerscheinung ist, steigt er über die Generationen hinweg deutlich an und erreicht seinen Höchstwert bei der Generation Z. Gleichzeitig verbringen 16- bis 29-Jährige durchschnittlich über drei Stunden täglich in Messengern und sozialen Netzwerken. (Quelle: t3n)
Social Media hat sich dabei spürbar verändert. Was früher ein Ort war, um Freund:innen zu treffen oder der Realität kurz zu entkommen, wird für viele selbst zum Stressfaktor. Permanente Benachrichtigungen, Vergleichsdruck, algorithmische Dauerbeschallung und zuletzt auch immer mehr KI-generierte Inhalte ohne echten Mehrwert. Gleichzeitig zeigen Nutzungsdaten, dass gerade bei Jugendlichen Plattformen wie TikTok und WhatsApp nicht mehr automatisch Anlaufstelle Nummer 1 sind; viele in der Altersgruppe 16–29 Jahre reduzieren ihre Aktivität gezielt oder hinterfragen ihre Mediennutzung. (Quelle: zdf)
Schaut euch einmal die Kommentare unter dem Instagram-Post der ZEIT zu einem Beitrag über genau dieses Thema an. Der Grundtenor ist hier immer gleich – eine regelrechte Sehnsucht nach Echtheit. Rabea Weihser, die Autorin des Artikels zum Instagram-Post, trifft’s auf den Punkt: „Die grassierende KI-Allergie ermöglicht immerhin eine Erkenntnis: Menschen wollen bitte weiterhin am liebsten von Menschen verarscht werden – und nicht von Maschinen.“
Der Wunsch, „offline zu gehen“, bedeutet trotzdem nicht, Technologie komplett abzulehnen. Es geht vielmehr darum, bewusster auszuwählen, was man konsumiert und warum.
Damit ihr die aktuellen Entwicklungen im Bereich Social Media immer im Blick behaltet, findet ihr im MarkOp Magazin unseren Social Media Marketwatch. Perfekt, um alle Trends für dieses Jahr einzuordnen, ist auch der aktuelle Beitrag zu den Social Media Trends 2026 von unserer Expertin Sophia.
Was bedeutet das für Marken?
Weniger Dauerpräsenz, mehr Relevanz: Nicht jede Marke muss überall und jederzeit sichtbar sein. In einer Welt aus Benachrichtigungen und Content-Überfluss gewinnt, wer gezielt auftaucht.
Besitz schlägt Zugriff: Produkte, Inhalte oder Erlebnisse, die wirklich „gehören“, werden attraktiver. Physische Produkte, limitierte Editionen, Printformate oder sammelbare Assets zahlen stärker auf Wertigkeit ein als rein digitale Zugänge.
Unperfektion wird glaubwürdiger: Hochglanz, Perfektion und KI-Optimierung verlieren an Wirkung. Echte Stimmen, kleine Ecken und Kanten und nachvollziehbare Prozesse schaffen mehr Nähe als makellose Inszenierung.
Analog als Qualitätsfilter nutzen: Offline-Formate sind kein Rückschritt, sondern ein Signal für bewussten Konsum. Print, Events, haptische Touchpoints oder reduzierte Interfaces können Marken differenzieren.
Social Media neu denken: Social ist nicht mehr automatisch der Ort für Nähe. Communities, geschlossene Formate oder langsamere Plattformen können sinnvoller sein als Reichweite um jeden Preis.
KI bewusst einsetzen: KI bleibt relevant, aber ihr Einsatz sollte erklärbar und sinnvoll sein. Transparenz und kuratierte Qualität schlagen automatisierte Masse – besonders bei Content und Storytelling.
2016 called. Und wir sind rangegangen.
Bleiben wir beim Thema – zumindest so halb. Snapchat-Filter, Röhrenjeans, Adidas Superstar, Blumen-Haarkränze und ein Internet, das sich leichter angefühlt hat. Gen Z und Millennials drücken gerade kollektiv auf Rewind: zurück zu einer Zeit, in der Social Media noch Spielplatz war und nicht Dauerbaustelle. Musicl.ly, Tumblr, Vine und der berühmte Snapchat-Dogfilter waren weniger Strategie, mehr Spaß. Weniger Optimierung, mehr Gefühl.
Und plötzlich ist alles wieder da. Popstars spielen bewusst mit ihren 2016-Eras, Songs aus dieser Zeit tauchen wieder in Charts und Feeds auf, ikonische Filter werden nostalgisch zitiert. Serien erleben Full-Circle-Momente, Mode und Beauty verabschieden sich vom Clean-Girl-Minimalismus und feiern wieder Drama, Glamour und Übertreibung. Es ist kein Zufall, dass sogar längst verschwundene Brands und Fashion-Formate Andeutungen auf ein Comeback machen.
Na, noch alte Teile im Schrank? Der berühmte Triangl-Bikini, der 2016 ungefähr so gehyped wurde, wie in den frühen 2000ern Pokemon-Holokarten, ist zurück!
Image Credit: @gradgirlmarketing
Der Grund dafür liegt weniger in der Ästhetik als im Gefühl. 2016 steht rückblickend für ein Internet vor Dauerkrisen, vor KI-Überoptimierung, vor permanenter Selbstvermessung. Nostalgie wird damit zur Strategie gegen Austauschbarkeit und digitale Erschöpfung. Sie bietet Orientierung, Vertrautheit und das Gefühl, kurz wieder Kontrolle zu haben.
Für Marken bedeutet Nostalgie-Marketing deshalb mehr als Retro-Design oder Y2K-Filter. Es geht darum, Erinnerungen zu aktivieren. Vertraute Codes dürfen genutzt werden, aber sie brauchen einen heutigen Kontext. Relevanz entsteht dort, wo das Damals mit dem Jetzt verknüpft wird. Nostalgie funktioniert nicht als Rückschritt, sondern als emotionaler Anker in einer Gegenwart, die sich für viele zu schnell anfühlt.
Oh, what a time it was to experience the internet in 2016. Und vielleicht erklärt genau das, warum wir gerade so gern dorthin zurückschauen.
Feierabend, wie das Duftet…
An alle, die jetzt mit diesem Ohrwurm leben müssen: Sorry, von ganzem Herzen. Aber Rügenwalder ist an dieser Stelle einfach das perfekte Beispiel: Ein Spot, der in den 90ern Kultpotenzial erreicht hat, wird 2026 wiederbelebt. Perfekt, um bei einer breiten Zielgruppe Nostalgie zu wecken und noch einmal so richtig Appetit zu machen (dieses Mal natürlich inklusive veganer Alternativen.)
„Die mit der Mühle! Alle!“ war in den 90ern kein erklärender Claim, sondern ein kollektiver Moment. Ein Satz, der Wohnzimmer verbunden hat, weil jede Person wusste, was gemeint war. Die Werbung von Rügenwalder funktionierte damals über Wiederholung, Einfachheit und das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Alltags zu sein.
Genau daran knüpft die Neuauflage an und übersetzt dieses Gemeinschaftsgefühl in die Gegenwart. Heute heißt „alle“ nicht mehr Gleichförmigkeit, sondern Vielfalt: unterschiedliche Lebensentwürfe, Essgewohnheiten und Werte existieren nebeneinander. Der Spot nutzt die vertraute Formel als nostalgischen Anker, erzählt sie aber neu und inklusiver. Das funktioniert, weil Nostalgie hier nicht verklärt, sondern verbindet. Die Erinnerung sorgt für Nähe und Wiedererkennung, während die zeitgemäße Inszenierung zeigt, dass sich Marken mit ihrer Zielgruppe weiterentwickeln können, ohne ihre Herkunft zu verlieren. Gerade im aktuellen Zeitgeist, der von Unsicherheit und Veränderung geprägt ist, schafft diese Rückbindung an etwas Bekanntes Vertrauen – und macht die Botschaft wieder relevant.
Nostalgie-Marketing: Do’s and Don‘ts für Marken:
Do’s
Gefühle vor Ästhetik stellen: Nutzt Nostalgie, um Emotionen wie Vertrautheit, Leichtigkeit oder Zugehörigkeit zu transportieren – nicht nur als optischen Gag.
Vergangenes neu erzählen: Übersetzt alte Codes, Sounds oder Formate in die Gegenwart. Nostalgie wirkt am besten, wenn sie sich weiterentwickelt.
Popkultur bewusst einsetzen: Referenzen zu Musik, Serien oder Internet-Momenten funktionieren, wenn sie zur Marke passen und nicht wie Trend-Hopping wirken.
Analog als Qualitätsmerkmal nutzen: Print, Events oder physische Produkte signalisieren Wertigkeit und bewussten Konsum – besonders in digitalen Kontexten.
Ecken und Kanten zulassen: Unperfekte Visuals, echte Stimmen und weniger Glanz erhöhen Glaubwürdigkeit und Nähe.
Don’ts
Keine 1:1-Kopien: Reines Wiederholen alter Designs, Kampagnen oder Formate wirkt schnell ideenlos und austauschbar.
Nostalgie nicht überinszenieren: Zu viel Retro auf einmal kippt in Kitsch oder Karikatur. Weniger ist hier oft mehr.
Nicht nur auf Trends reagieren: Nostalgie ohne Markenbezug wirkt beliebig. Der kulturelle Rückgriff braucht eine klare Verbindung zur eigenen Geschichte oder Haltung.
Gefühl nicht durch Ironie entwerten: Zu viel Augenzwinkern kann emotionale Tiefe zerstören. Nostalgie darf ernst gemeint sein.
Nicht als kurzfristigen Hype behandeln: Nostalgie ist kein Einmal-Gag, sondern Teil eines größeren Bedürfnisses nach Orientierung und Ruhe.
Erleben wir 2026 einen digitalen Bruch?
Aus Trendperspektive spricht vieles dafür, dass 2026 einen Wendepunkt im digitalen Marketing markiert. Die bekannten Mechaniken aus den vergangenen Jahren – Reichweite skalieren, Sichtbarkeit optimieren, Performance maximieren – verlieren an Verlässlichkeit. Nicht abrupt, aber nachhaltig. Der digitale Raum fragmentiert sich, und mit ihm die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen.
Treiber dieses Bruchs sind mehrere parallele Entwicklungen: Generative KI verändert grundlegend, wie Inhalte produziert und konsumiert werden. Suchprozesse verschieben sich von Ergebnislisten hin zu direkten Antworten, klassische Touchpoints verlieren an Bedeutung. Gleichzeitig geben Plattformen Nutzer:innen mehr Kontrolle über Feeds und Empfehlungen, was Reichweiten weiter unvorhersehbar macht. Was früher planbar war, wird situativer.
Hinzu kommt eine wachsende Ermüdung auf Seiten der Nutzer:innen. Algorithmisch optimierter Content, permanente Benachrichtigungen und KI-generierte Inhalte ohne klaren Mehrwert führen zu bewusster Reduktion. Menschen verbringen zwar weiterhin Zeit im digitalen Raum, aber selektiver. Nutzung wird weniger selbstverständlich, mehr Entscheidung.
Aus Markensicht bedeutet das: Digitales Marketing verschiebt sich von Quantität zu Qualität. Statt möglichst viele Touchpoints zu erzeugen, rückt die Frage in den Vordergrund, welche Berührungspunkte überhaupt sinnvoll sind. Vertrauen, Relevanz und Kontext werden zu strategischen Faktoren. Reichweite allein ist kein Erfolgskriterium mehr.
Der digitale Bruch 2026 ist daher nicht als Ende bestehender Kanäle zu verstehen, sondern als Neuordnung. Marken, die darauf reagieren, investieren weniger in reine Optimierung und stärker in Narrative, Communities und konsistente Markenführung. Technologie bleibt zentral – ihre Wirkung entfaltet sie jedoch nur noch, wenn sie menschlich eingebettet ist.
Weitere spannende Einblicke in das Thema liefert euch dieser fundierte Artikel von onlinemarketing.de.
„2026 erleben wir einen echten digitalen Bruch: Reichweite verliert an Bedeutung, Resonanz wird entscheidend. Marken müssen lernen, wieder Antworten zu geben statt nur sichtbar zu sein, KI bewusst zu kuratieren und auf Plattformen konzentrieren, auf denen echte Interaktion entsteht. Vertrauen, Haltung und menschliches Storytelling werden dabei zum zentralen Differenzierungsmerkmal – gerade in einer zunehmend automatisierten Kommunikationswelt.“
KI gone rogue: Wenn künstliche Influencer Marken gefährden
Ein aktueller Fall zeigt, wie schnell KI auch zur Herausforderung werden kann, wenn sie außerhalb kontrollierter Kontexte auftaucht. Konkret gab sich eine KI-generierte Influencerin als Mitarbeiterin von Lidl aus und verbreitete obszöne Videos in Verbindung mit der Marke – obwohl der Account in jedem Beitrag ausdrücklich angab, dass es sich um eine fiktive, KI-erstellte Figur handelt. Trotzdem haben viele Nutzer:innen den Kontext nicht erkannt und die Inhalte real interpretiert.
Side-Info: Wir haben uns bewusst entschieden, kein Beispiel der Videos einzufügen, um einer weiteren Verbreitung entgegenzuwirken.
Der Kern dieses Beispiels ist weniger ein schlechter Witz als eine deutliche Warnung: KI kann Markenreputation innerhalb kürzester Zeit beschädigen, auch wenn die Marke selbst gar nichts falsch gemacht hat. Viralität, fehlender Kontext und rechtliche Grauzonen treffen Unternehmen schneller, als interne Prozesse reagieren können. Die zentrale Frage für Marketing-Teams lautet daher nicht mehr nur „Sollten wir KI nutzen?“, sondern „Wie schaffen wir klare Leitplanken, Kontrolle und verantwortliches Krisenmanagement?“ – und wie schnell manuelle Reaktionen im Fall eines solchen Missbrauchs überhaupt noch greifen.
„KI ist längst kein reines Effizienztool mehr, sondern auch ein Thema der Markenführung. Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens müssen die Möglichkeit haben, zu regeln, wer KI in ihrem Namen nutzt. Dabei sind auch KI-Anbieter und die Gesetzgebung gefordert. Transparenz allein reicht nicht, weil Kontext in sozialen Feeds schnell verloren geht. Entscheidend sind Monitoring, klare Reaktionspläne und eine enge Abstimmung zwischen Marketing und Recht. Denn KI wirkt nur dann positiv auf die Marke, wenn sie kontrolliert und im Einklang mit der Markenidentität eingesetzt wird.“
Influencer-Marketing? Oma weiß es besser
Und dann gibt es da noch diese Kampagne, bei der wir einfach schmunzeln müssen: Für ihre neuen PowerDetect-Staubsauger hat Shark echte Omas vor die Kamera geholt und ihnen freie Hand gelassen. Statt Influencer:innen mit perfekt polierten Ratschlägen bewertet hier die ehrlichste Jury Deutschlands gnadenlos, was der Sauger wirklich kann.
Was diese Kampagne so unterhaltsam macht, ist der einfache aber starke Insight: Niemand glaubt einer Marke mehr als der eigenen Oma. Statt glattgebügelter Produktpräsentation gibt es knallharte, herzliche und manchmal augenzwinkernde Profi-Tipps von über 60-Jährigen – ehrlicher geht’s kaum.
Die Kampagne trifft einen Nerv, weil sie gleich mehrere Trends bündelt: Echtheit statt Hochglanz, unerwartete Absender:innen und Content, der nicht nach Werbung aussieht. Gerade in Zeiten von KI-Influencern, perfektionierten Feeds und wachsender Skepsis gegenüber klassischem Influencer-Marketing wirken echte Menschen mit Lebenserfahrung glaubwürdiger als jede optimierte Brand Voice. Dass ausgerechnet Omas für Shark sprechen, ist dabei kein Gimmick, sondern ein bewusstes Spiel mit Vertrauen, Humor und kulturellen Erwartungen. Genau diese Brüche machen Content heute erinnerungswürdig.
Die Kreativfrage im Januar
Wenn weniger Scrollen wirklich der Vorsatz des Jahres ist, verändert das nicht nur individuelles Medienverhalten, sondern auch die Rolle von Marken. Aufmerksamkeit wird bewusster verteilt, Inhalte schneller hinterfragt und Lautstärke allein reicht nicht mehr aus. Umso relevanter wird die Frage, wo Kommunikation reduziert werden sollte und wo stattdessen mehr Klarheit, Haltung und Ehrlichkeit gefragt sind. Genau hier setzt unsere Kreativfrage an:
Wenn weniger Scrollen wirklich der Vorsatz des Jahres ist: Wo müsste eure Marke leiser werden – und wo ehrlicher?
In eigener Sache: Partyhüte raus - Wir werden zweistellig
Nicht nur 2016 ist in diesem Jahr 10 Jahre her – auch MarkOp feiert 10-jähriges!
Für alle, die wissen wollen, wie alles damals angefangen hat und was seitdem passiert ist, gibt es in unserem Magazin ein persönliches Interview mit unserer Geschäftsführerin Alice – witzig, ehrlich und ein klein wenig emotional. Ideales Futter, um 10 Jahre Marketing einmal aus Agentur-Perspektive Revue passieren zu lassen.
Jep, so sahen Memes 2016 noch aus (zum Glück vergisst das Internet nie). Wenn ihr Lust auf mehr Einblicke aus den vergangenen zehn Jahren habt, dann bleibt dran: In unserem Blog sowie auf LinkedIn und Instagram teilen wir in den nächsten Monaten weitere Geschichten, Learnings und Highlights aus 10 Jahren Agenturleben und Marketing.
Final Thoughts
Genug gescrollt für’s Erste. Wir klappen den Laptop jetzt erstmal zu und üben uns im digitalen Detox. Keine Sorge: Nächsten Monat sind wir wieder da – mit frischen Gedanken, neuen Trends und garantiert ohne Dogfilter. 🐕😉