Hype-Thema ChatGPT und AI-generierter Content: Wir starten den Selbstversuch

KI

Wer aktuell auf LinkedIn oder Xing unterwegs ist, kommt kaum umhin, mit dem aktuellen Hype um ChatGPT & Co. konfrontiert zu werden. Innerhalb von Sekunden produziert die AI kleinere, grammatikalisch perfekte Textabschnitte. Als Content-Creator wollten wir uns natürlich selbst ein Bild machen und haben ChatGPT einem ausführlichen Test unterzogen. Wir beschäftigen uns mit der Frage, welche Möglichkeiten AI-gestützte Prozesse bei der Content-Erstellung künftig bieten könnten. Gleichzeitig wollen wir aber auch die Grenzen von AI im Content-Marketing aufzeigen, denn die gibt es unserer Erfahrung nach durchaus.

Auf dem Bild ist eine garfische Darstellung eines Gehirns zu sehen, aus dem Drähte rausschauen. Daneben befinden sich Sprechblasen.
 

Worum geht’s? ChatGPT erklärt

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass du noch nichts von Text-AI bzw. ChatGPT gehört hast, fassen wir hier noch einmal das Wichtigste zusammen: ChatGPT ist ein vom US-amerikanischen Unternehmen OpenAI entwickelter Chatbot, der auf künstlicher Intelligenz (KI, engl. AI) beruht. Das Tool ging am 30. November 2022 an den Start und kann seitdem kostenlos ausprobiert werden.

Der Andrang auf ChatGPT war enorm: innerhalb der ersten fünf Tage meldeten sich über eine Millionen Nutzer:innen für den kostenlosen Test an. Zum Vergleich: Instagram erreichte diese Schwelle erst nach zweieinhalb Monaten. Es wäre daher keinesfalls übertrieben, im Falle des AI-gestützten Chatbots von einem Hype zu sprechen. So dauerte es auch nicht lange, bis das Thema die sozialen Netzwerke stürmte: Viele Tester:innen berichten von verblüffenden Ergebnissen und prognostizierten direkt eine Revolution in der Content-Erstellung.

Wir haben uns mit unserem Erfahrungsbericht bewusst ein bisschen Zeit gelassen. Da es sich hier aber um nichts weniger als eine Technologie handelt, die auch unsere Arbeit grundlegend beeinflussen könnte, wollten und mussten wir uns aber natürlich selbst ein Bild machen. Die Ergebnisse stellen wir dir im Folgenden vor.

Wir machen den Test: Kann AI einen guten Blog schreiben?

Schluss mit dem Vorgeplänkel, jetzt gilt’s! Wir wollten es genauer wissen und haben uns gefragt: Kann ChatGPT einen kompletten Blog schreiben? Unsere tägliche Arbeit besteht u.a. aus dem Verfassen von Blogbeiträgen. Dazu sind intensive Recherchen notwendig, deren Ergebnisse in Textbeiträgen von 1.500, gerne auch mal 2.000 oder mehr Wörtern münden. Wir wollen gar keinen Hehl daraus machen, dass wir vermutlich bald arbeitslos wären, wenn eine AI in Sekunden fertigbringt, wofür wir mehrere Stunden benötigen. Deshalb geht diesem Test auch ein hohes Maß an Eigeninteresse voraus.

Unser Blogthema: Eier kochen

Für unseren Test haben wir ein Thema gewählt, dass vielleicht nicht jedem als erstes in den Sinn gekommen wäre: Eier kochen. Warum? Das hat mehrere Gründe, die eng mit den Eindrücken zusammenhängen, die wir bereits aus LinkedIn & Co. gewinnen durften. Dabei greifen wir etwas vor, denn auch ChatGPT hat Schwächen. Zum einen ist die Datenbank des Chatbots nicht aktuell. Das Wissen von ChatGPT reicht bis ins Jahr 2021 – das hat uns die AI selbst gesagt! (Stand Januar 2023) Demzufolge hätte es gar keinen Sinn gemacht, einen aktuellen bzw. investigativen Beitrag schreiben zu lassen. Zudem haben wir erfahren, dass die künstliche Intelligenz gerne Infos zu vorhandenen Quellen hinzudichtet. Wir wollen natürlich auf keinen Fall, dass ein Text entsteht, der Informationen enthält, die wir aufgrund mangelnden Wissens nicht verifizieren können. Ein profanes Thema wie dieses schadet wohl aber niemandem.

Warum die Wahl außerdem auf dieses Thema fiel, liegt am Vorhandensein SEO-optimierter Beiträge. So hat der deutsche Küchengerätehersteller Springlane auf seinem Blog etwas zum Eierkochen veröffentlicht, was wir gut und gerne als „SEO at it’s best“ bezeichnen würden. Der Text beschreibt ein derart simples Thema enorm ausführlich, bekommt durch Infos zum Autor eine persönliche Note und enthält sogar ein eigens produziertes Video. Keine Frage, dass in diesen Blog eine Menge Zeit geflossen ist. Kann ChatGPT hier mithalten? Wir werden sehen.

Disclaimer: Nein, der Beitrag aus dem Springlane-Blog ist nicht von uns und wir erhalten auch keine Provision für irgendwelche Leads. 😊

ChatGPT hat keine Chance – zumindest noch nicht

Wir haben ChatGPT eine klare Anweisung gegeben: „Schreib 1.000 Wörter zum Thema Eier kochen“. Das Ergebnis konnte uns nur teilweise überzeugen.

Blog von ChatGPT zum Thema Eier Kochen.

Obwohl wir der AI klar mitgeteilt haben, dass wir gerne einen Text um 1.000 Wörter zu unserem Wunschthema hätten, stoppt die künstliche Intelligenz deutlich früher – bei exakt 296 Wörtern ist Schluss. Unser Beispiel zeigt auch, dass es sehr wichtig ist, was man ChatGPT für Anweisungen mitgibt. Das Tool verwendet offenbar von Haus aus keine Überschriften – dabei sind die beim Bloggen enorm wichtig. Das gilt nicht nur für die Lesbarkeit, eine gute Überschriften-Hierarchie wird auch von Suchmaschinen belohnt. Die Anweisung, Überschriften zu verwenden, holen wir nach. Diesmal ist bei 306 Wörtern Schluss – und das sogar mitten im Satz.

Blog von ChatGPT zum Thema Eier kochen, mit Überschriften.

Lesetipp

In diesem Beitrag erklären wir dir, warum ein Blog für Onlineshops sinnvoll ist.

 

Auch AI hat ihre Grenzen

Für den Moment bleibt uns aber nichts anderes übrig, als den Ist-Zustand von ChatGPT als Blogging-Tool zu bewerten. Dazu wurden uns in unserem kleinen Test schnell die Grenzen der AI aufgezeigt. Hier sind einige davon:

Keine aktuellen Datenbanken: Eine ganz wesentliche Schwäche haben wir bereits erwähnt: Stand jetzt (Januar 2023) mangelt es ChatGPT an Aktualität, sodass sich das Tool nicht für journalistische Zwecke eignet.

Gefahr von Falschinformationen: Als Nutzer:in hat man wenig Informationen darüber, woher die AI ihr Wissen bezieht. Okay, man kann die künstliche Intelligenz danach fragen und bekommt unserer Erfahrung nach auch Antwort. Um der Gefahr von Falschinformationen zu entgehen, müsste man die Quellen aber dennoch verifizieren. Ein aufwendiger Rechercheprozess bleibt einem also nicht erspart.

Fehlende Persönlichkeit: Gute SEO lebt auch von Individualität und persönlichen Erfahrungen des Autors bzw. der Autorin. Tatsächlich werden diese immer wichtiger (siehe nächster Absatz). Die Herausforderung besteht für Suchmaschinen darin, zu beurteilen, ob es sich um einen von Menschenhand geschriebenen Text handelt oder nicht. Bei reinen Infothemen, die wenig persönlichen Bezug haben, ist das natürlich entsprechend schwerer.

Corporate Identity: Maschinell erstellte Texte sind für gewöhnlich eher neutral verfasst, weshalb du sie für deine Zielgruppe und die Corporate Identity deines Unternehmens editieren musst.

Duplicate Content: Suchmaschinen haben ein Interesse daran, Suchenden ein möglichst breites Spektrum an Ergebnissen zu präsentieren. Die Verwendung von ChatGPT und ähnlichen Tools würde auf Dauer wohl dazu führen, dass sich Inhalte immer mehr ähneln. Da Suchmaschinen Duplicate Content abstrafen, hat man mit AI-gestützten Blogs wahrscheinlich keine guten Aussichten auf ein optimales Ranking.

Google reagiert: Aus E-A-T wird E-E-A-T

Ob und inwieweit AI in Zukunft die Content-Creation (mit-)bestimmt, darüber hat wohl auch Google eine gewisse Entscheidungshoheit. Warum das so ist, haben wir bereits im Abschnitt Duplicate Content angedeutet: Gleichgeschaltete Inhalte haben für Nutzer:innen wenig Mehrwert. Dass man auf Seiten von Google dazu tendiert, persönlichen Content besser zu ranken, zeigt das jüngste Core Update aus Mountainview.

Dazu an dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Google nimmt mitunter mehrmals am Tag kleine Veränderungen an seinem Algorithmus vor. In den seltensten Fällen haben diese einen starken Einfluss auf das Ranking. Anders sieht das bei den Core Updates aus, die von Google etwa vierteljährlich ausgerollt werden. Im Dezember 2022, also nur wenige Wochen nach Erscheinen von ChatGPT, hat Google ein Update ausgespielt, in das sich eine indirekte Reaktion auf AI-Content zumindest hineindeuten ließe. Dabei wurde das Akronym E-A-T (Experience, Authority, Trustworthness) um einen weiteren Punkt erweitert: Experience. (Quelle: seo-suedwest.de)

Zusammengefast geht es bei E-A-T, einem elementaren Bestandteil der sog. Google Quality Rater Guidelines, darum, die Glaubwürdigkeit von Inhalten auf die Probe zu stellen. Wer nachweisen kann, dass er ein echter Experte bzw. eine echte Expertin auf dem eigenen Fachgebiet ist, hat bessere Chancen auf ein gutes Ranking als jemand, der diesen Beweis schuldig bleibt. Mit dem Core Update punkten nun auch Beiträge, die die persönliche Erfahrung des Autors wiedergeben – mithilfe künstlicher Intelligenz geschaffener Content hat hier sehr wahrscheinlich das Nachsehen.

 

Die ersten Tools gegen AI gibt es bereits – nur funktionieren sie (noch) nicht auf Deutsch

Quasi zeitgleich mit der AI entwickeln sich auch Detektoren, die dabei helfen, künstliche Intelligenz im Netz zu enttarnen. Eines dieser Tools ist der AI-Detector von Content at Scale.

Wir wollten natürlich wissen, ob ChatGPT ein solches Tool überlisten kann und staunten nicht schlecht. Das Ergebnis: ja! Der Detektor bescheinigte uns fälschlicherweise, dass unser AI-generierter Content zu 100% von Menschenhand geschrieben sei.

Hinweis: Wir haben den letzten Abschnitt nicht in die Auswertung aufgenommen, da er unvollständig war.

Wie sich herausgestellt hat, ist ChatGPT seinen Verfolgern hier offenbar einen Schritt voraus: Dass der Test bestanden werden konnte, scheint daran zu liegen, dass der Text auf Deutsch verfasst wurde. In einem zweiten Test haben wir den Textabschnitt von ChatGPT ins Englische übersetzen lassen. Jetzt hatte die AI offensichtlich keine Chance mehr, dem Detektor etwas vorzumachen.

Auf Englisch erfasst der Detektor 100% Fake-Content.

Auf Englisch, DER Sprache des Internets, funktioniert das Entlarven von AI-Content also bereits sehr gut. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Sprachen folgen werden.

ChatGPT als Alltagshilfe in der Content-Erstellung

Jetzt haben wir eine Menge Zeit dafür aufgewendet, die Schwächen von ChatGPT aufzuzeigen. Aber was rechtfertigt denn dann den Hype um die AI? Wir glauben, das größte Potenzial des Tools besteht darin, Texterinnen und Textern das Leben zu vereinfachen – und da eröffnen sich schon jetzt eine Reihe von Möglichkeiten.

#1 ChatGPT als Tool für die Keyword-Recherche

Wir haben die AI nach Keywords für das Thema Eier kochen suchen lassen. Zwar lassen sich keine Suchvolumina ermitteln, aber zumindest einige passende Begriffe

Keywords von ChatGPT zum Thema Eier  kochen.

Nach eigener Aussage findet ChatGPT keine Suchvolumina, aber zumindest passende Keywords zu einem Thema.

Lesetipp

Um kostenlose Keyword-Tools geht es uns auch in diesem Beitrag!

 

#2 Inspiration zum Schreiben

Wer selbst schon so manchen Text verfasst hat, kennt das Problem: Hin und wieder findet man einfach keinen Zugang zum Thema. Hier kann einem die künstliche Intelligenz eine echte Hilfe sein. Auf unsere Anfrage nach potenziellen Überschriften bekamen wir beeindruckende Ergebnisse – und davon auch wirklich viele.

Auf Anfrage hat uns ChatGPT eine ganze Reihe von Überschriften geliefert.

 

#3 Kurze Textabschnitte mit Feinschliff

Auch wenn die AI in unserem Test durchfiel und keinen brauchbaren, längeren Text zustande gebracht hat, kann man sich zumindest kurze Textabschnitte erstellen lassen. In unserem Test hat ChatGPT eine passable Einleitung zum Beispiel-Thema verfasst. Solange der Text nicht SEO-relevant ist, z. B. bei E-Mails, Printmedien oder Social-Posts, kannst du dir von ChatGPT einen Abschnitt erstellen lassen und selbst entscheiden, ob er in der Form in deinem Content erscheinen soll. Nur wenn der Text von Suchmaschinen gefunden werden soll, raten wir aufgrund von potenzieller Abmahngefahr davon ab.

Hier noch unsere Einleitung zum Thema Eier kochen:

Der Screenshot zeigt eine Einleitung zu einem Blog mit ChatGPT zum Thema Eier kochen.

Fazit: Wir sind gespannt, wohin die AI-Reise noch gehen wird!

Jetzt haben wir lang und breit über unsere Erfahrungen mit ChatGPT berichtet. Unser Selbstversuch hat uns interessante Erkenntnisse geliefert. Mit hochwertigem, von Menschenhand verfassten Content konnte die Maschine ganz offensichtlich nicht mithalten. Immerhin hat uns ein Analysetool aber zunächst die Echtheit der Inhalte bestätigt. Daran zeigt sich, dass der Hype um ChatGPT und dergleichen durchaus berechtigt ist. Als Unterstützung in Sachen Keyword-Recherche und Inspirationshilfe verfügt ChatGPT über eine Menge Potenzial.

Den Texter bzw. die Texterin wird die künstliche Intelligenz kurz- oder mittelfristig wohl aber nicht ersetzen. Wer mit seinen Inhalten Sichtbarkeit in den Suchmaschinen erlangen will, der sollte jedenfalls nicht blindlinks auf AI vertrauen. Googles erste Reaktion hat offensichtlich nicht lange auf sich warten lassen – und wenn freie Tools AI als solche entlarven können, dann kann und wird Google das ziemlich sicher auch tun.

 

Häufig gestellte Fragen zum Thema ChatGPT und AI-gestütztem Content

Was ist ChatGPT?

ChatGPT ist ein vom US-amerikanischen Unternehmen OpenAI entwickelter Chatbot, der auf künstlicher Intelligenz beruht. Der Launch des Tools im November 2022 hatte weltweit einen regelrechten Hype ausgelöst. In nur 5 Tagen knackte das Tool die Marke von einer Million registrierten Nutzern.

Was kostet ChatGPT?

Im Moment kann man ChatGPT kostenlos ausprobieren. Dazu benötigt man nur einen OpenAi-Account. Ob und wie lange das so bleibt, ist derzeit noch unklar. Allerdings dürfte mit einem Monetarisierungsmodell in naher Zukunft zu rechnen sein, da für eine AI in der Form große Datenmengen notwendig sind. Denkbar wäre z. B. ein sog. Freemium-Modell, bei dem neben der kostenlosen auch eine kostenpflichtige Pro-Version des Chatbots mit erweiterten Funktionen existiert.

Kann ich ChatGPT für SEO nutzen?

Jein. Du kannst ChatGPT als Recherche-Tool für relevante Keywords nutzen und als Taktgeber, um in ein bestimmtes Thema reinzufinden. Aufgrund potenzieller Abmahngefahr können wir aber nicht bedenkenlos empfehlen, ChatGPT für die Erstellung ganzer Texte einzusetzen. Schon jetzt gibt es Detektoren im Web, die AI-gestütztem Content auf die Schliche kommen wollen. Deine Content-Erstellung solltest du deshalb lieber Profis überlassen.

Alexander Beth

Alexander Beth | Content-Marketing-Manager

Alex' Herz schlägt für Storytelling, Branding und Daten. Er kombiniert seine kreative Ader mit analytischen Fähigkeiten und berät unsere Kund:innen im AI/SEO-Bereich.

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